Bremen Corona trifft die Bremischen Häfen. Der Umschlag für Import und Export sinkt. „Es wird weniger, ich kann aber nicht beziffern, wie viel weniger“, sagt Holger Bruns, Sprecher der Hafenmanagementgesellschaft Bremenports. Das Virus wird Folgen für die Bremer Wirtschaft haben.

„Allein im Jahr 2018 wurden im Austausch mit China Waren und Güter im Gesamtwert von etwa 2,66 Milliarden Euro über die Bremischen Häfen abgewickelt“, sagt Torsten Grünewald, Referent im Geschäftsbereich „International“ der Handelskammer Bremen. Die Einfuhr aus China betrage etwa 1,19 Milliarden Euro, die Ausfuhr nach China etwa 1,47 Milliarden. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gab mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in Bremen an, die Folgen bereits zu spüren. Besonders in Mitleidenschaft gezogen seien Touristikfirmen sowie die Verkehrs- und Logistikbranche und auch Industrie und Handel. Reisebeschränkungen, gestörte Lieferketten und Nachfrageeinbrüche sind zum Teil schon Realität.

Hansa-Flex-Lager gefüllt

China sei der drittwichtigste Handelspartner Bremens, sagt Grünewald. Mehr als 500   Unternehmen seien in China aktiv, davon hätten 200 eigene Tochtergesellschaften, Produktionsstätten oder zumindest Handelsvertreter vor Ort. 120 chinesische Unternehmen haben in Bremen investiert oder zumindest Gesellschaften gegründet. Bremen und Bremerhaven haben bundesweit die höchste Exportquote und sind als Exportstandorte stark abhängig von einem funktionierenden Außenhandel, so Grünewald. Die Folgen der Krise werde man erst in Monaten abschätzen können.

Das Bremer Unternehmen Hansa-Flex setzt in Zeiten des Coronavirus auf Sicherheit. Der Systemanbieter in der Hydraulikbranche mit 400 Mitarbeitern in Bremen und 4500 Mitarbeitern weltweit lässt China-Rückkehrer zwei Wochen zu Hause vom Bildschirm aus arbeiten.

Ansonsten ist das Unternehmen von Corona relativ unbeeindruckt. Es gäbe keine Verdachtsfälle, auch nicht in den Werken in China, sagt Christian-Hans Bültemeier (54), kaufmännischer Vorstand bei Hansa-Flex. Auf unnötige Reisen und Meetings werde verzichtet. Man setze stattdessen auf Videokonferenzen. Teile werden für Hansa-Flex nicht knapp. „Als technischer Händler und Servicepartner müssen wir viel auf Lager halten“, sagt Bültemeier. Die Lager seien voll, man sei unbesorgt.

Pandemie-Maßnahmen

Anders sähe es allerdings in belieferten Branchen mit weniger Lagerhaltung aus. Bültemeier nennt die Autoindustrie, ein Kunde von Hansa-Flex. „Wenn die keine Autos mehr bauen, brauchen die auch unsere Teile nicht“, sagt Bültemeier.

Die Produktion im Mercedes-Benz-Werk läuft weiterhin planmäßig, sagt der Konzern auf Anfrage. „Unsere Lieferketten sind aktuell sichergestellt. Wir sind mit unseren weltweiten Partnern in engem Austausch“, sagt Sprecherin Stefanie Krugsberger. Für das Auftreten von Pandemien und Krankheiten habe man seit Jahren Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensweisen festgelegt. „Diese Prozesse werden ständig angepasst, aktualisiert und konkretisiert.“

Auch bei Mondelez, internationaler Lebensmittelriese mit Deutschland-Zentrale in Bremen, wird zum Schutze des Personals auf zu viel Reisetätigkeit verzichtet. Man stelle aber die Kontinuität des Geschäfts sicher, um die Kunden weiter zu bedienen, hieß es auf Anfrage.

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