Bremen Wahlnächte sind lange Nächte – jedenfalls im Statistischen Landesamt. „Ich war um 7.15 Uhr zu Haus“, sagte Landeswahlleiter Jürgen Wayand am Montag. Bis dahin hatte es gedauert, alles auszuzählen und erste Analysen zu formulieren. Wayand sprach von einer „Wahl der Zäsuren“. Und: „Das Bremer Ergebnis unterschied sich stark vom Bundesergebnis.“

Das gilt besonders für SPD und CDU. Während die CDU im Bund stärker als die SPD verlor, war es an der Weser umgekehrt. „Hier in Bremen war die SPD der große Verlierer“, so Wayand.

SPD–Hochburg

Dabei war die SPD einmal so etwas wie eine uneinnehmbar wirkende SPD-Hochburg. „In der Vergangenheit war es unvorstellbar, dass die SPD in Bremen unter 30 Prozent kommt“, sagte Wayand.

Nun ist das Unvorstellbare geschehen. Die SPD hat am Sonntag im Land Bremen 26,8 Prozent der Zweitstimmen bekommen (2013: 35,6 Prozent). Wayand sprach von einem „historischen Ergebnis“. In keinem der 89 Bremer Ortsteile kam die SPD auf eine absolute Mehrheit der Stimmen – auch das war früher undenkbar.

Gleichwohl schickt die SPD zwei Abgeordnete nach Berlin: Sarah Ryglewski und Uwe Schmidt. Beide haben das Direktmandat in ihren Wahlkreisen gewonnen – Ryglewski mit 55 079 Stimmen (29,8 Prozent) und Schmidt mit 49 639 Stimmen (34,1 Prozent). Beide aber haben je 14 000 Stimmen weniger bekommen als ihre SPD-Vorgänger bei der Bundestagswahl 2013, Carsten Sieling und Uwe Beckmeyer.

Aus Bremen und Bremerhaven ziehen erneut sechs Abgeordnete in den Bundestag ein. Neben Ryglewski und Schmidt sind es die CDU-Politikerin Elisabeth Motsch-mann, Doris Achelwilm (Linke) und Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), für die Nima Pirooznia in die Bürgerschaft nachrücken soll – sowie der Bremer AfD-Mann Frank Magnitz.

Die Wahlbeteiligung lag in Bremen mit 70,7 Prozent unter der im Bund, aber um 1,9 Prozentpunkte höher als in Bremen 2013. Während in der Stadt Bremen 72,1 Prozent der Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, senkte Bremerhaven den Landes-Schnitt mit seiner vergleichsweise mageren Beteiligung von 64,1 Prozent.

Besonders niedrig ist die Wahlbeteiligung oft da gewesen, wo die Zustimmung zur AfD vergleichsweise hoch ausgefallen ist – in sozial belasteten Stadtteilen: Tenever 52 Prozent, Ohlenhof 53,3 Prozent, Gröpelingen 54,1 Prozent. Die AfD erreichte in 43 Ortsteilen ein zweistelliges Ergebnis – auch das: eine Zäsur. Am besten schnitt die AfD in Rekum (17,3 Prozent), Tenever (16,8 Prozent) und Lüssum-Bockhorn (16,6 Prozent) ab. In der Neuen Vahr-Nord holte sie 16,3 Prozent.

CDU hat verloren

Am anderen Ende des politischen Spektrums steht das Steintor, wo die Linke auf 30,5 Prozent gekommen ist. Im Ostertor lag sie bei 27 Prozent der Stimmen.

Die CDU hat in allen Ortsteilen verloren. Spitzenwerte erreichte sie in Oberneuland (42,7 Prozent) und Borgfeld (39,3 Prozent). Die Hochburgen der FDP deckten sich mit jenen der CDU.

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