Bremen So aufsehenerregend der Fall war, so unspektakulär verlief der Prozess: Gut zwei Wochen nach dem Auftakt hat die 22. Große Strafkammer des Bremer Landgerichts eine 24-Jährige zu zwei Jahren und neun Monaten Haft und der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilt. Die Frau hatte im Dezember vergangenen Jahres einen selbstgebauten Sprengsatz in einem Päckchen verschickt.

Das Paket war nicht detoniert, obwohl Petra S. mehrfach versucht hatte, den Sprengsatz mit einem Anruf auf dem mit ihm verbundenen Handy auszulösen. Aber ein aufmerksamer Mitarbeiter erkannte das verdächtige Paket. Die Folge: Zur Entschärfung musste die Postfiliale in Schönebeck evakuiert und die nahegelegene A 270 stundenlang gesperrt werden.

Warum der Anschlag misslang, war anfangs unklar. Die Staatsanwaltschaft hatte zu Prozessbeginn davon gesprochen, dass das Handy möglicherweise nicht eingeschaltet oder der Akku leer war. Das Gericht gab Entwarnung: „Objektiv ungefährlich“ war demzufolge das Paket mit seinem Gemisch aus Schwarzpulver, Benzin und Erde.

Zum Glück – letztlich auch für die Angeklagte, die während des Prozesses „eine relative Begeisterung über das, was sie kann“ zur Schau getragen hatte, wie es Richter Helmut Kellermann formulierte. Dass der Sprengsatz nicht detonieren würde – „das wussten Sie nicht“, sagte Kellermann an die Angeklagte gerichtet. Aber es ist günstig bei der Strafzumessung.

Das Gericht erkannte in der Vorgehensweise sogar, dass die junge Frau den Schaden begrenzen wollte. Bei der Polizei hatte sie noch erklärt, die Ehefrau ihres Ausbilders „sollte weggeschafft werden“. Aus diesem Satz zog die Staatsanwaltschaft den Schluss des Mordversuchs. Nach Auffassung der Richter fühlte sich die heute 24-Jährige als Außenseiterin, hatte sich unerwidert in ihren Ausbilder „verknallt“ und wollte dessen Ehefrau „erschrecken, erschüttern, aber nicht töten“, so der Vorsitzende.

Als das Paket bereits aufgegeben war, rief sie in einer guten Viertelstunde 23 Mal das Handy am Sprengsatz an, um die Detonation vorzeitig auszulösen und das Paket zu zerstören. Kellermann: „Da hatten Sie sich umentschieden“. Daher wurde S. auch wegen versuchter Herbeiführung einer Explosion und versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt – und nicht wegen Mordversuchs.

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