Bremen Besonders groß wirkt er nicht, der Bagger, der seit Kurzem vor der Brandruine von „Harms Am Wall“ steht. Aber er ist schwer, sehr schwer: satte 60 Tonnen. Mit ihm gehen die Abrissarbeiten in die zweite Phase. Bis 2020 soll hier mit dem „Wallkontor“ ein Geschäftshaus mit Einzelhandel und Büros entstehen. Eigentümer Müller & Bremermann investiert hier einen zweistelligen Millionenbetrag.

Das aus dem Jahr 1909 stammende Harms-Gebäude wurde am 6. Mai 2015 bei einem Großfeuer zerstört. Es entstand ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Experten stellten vorsätzliche Brandstiftung als Ursache fest. Wer das Feuer gelegt hat, ist bis heute ungeklärt. Der frühere Harms-Geschäftsführer Hans Eulenbruch, lediglich Mieter im Gebäude, wurde ebenso wie ein Mitangeklagter Ende März 2017 freigesprochen.

Für den tonnenschweren Bagger war ein Spezialtransport nötig. Mitte März, so Daniel Günther, Sprecher des Investors, war dieser beantragt worden. „Erst in dieser Woche kam die Genehmigung von der Behörde, wir hatten zwei Wochen früher damit gerechnet“, so Günther. Für den Bagger musste der Weg vor der Ruine verstärkt und geteert werden. Und nun geht’s richtig los mit dem sichtbaren Abriss. Das Schwergewicht nimmt sich den Angaben zufolge die beiden oberen Geschosse vor. Es wird Mitte Juni gegen ein kleineres Gerät ausgetauscht, das den Abriss bis zum Erdgeschoss vornimmt. Die gute Nachricht für Autofahrer: Dann soll auch die Vollsperrung der Straße Am Wall wieder aufgehoben werden – rechtzeitig vor dem „Wallfest“ am 17. Juni. Bis voraussichtlich in den November gilt eine Einbahnstraßenregelung, der Wall soll von der Bischofsnadel Richtung Herdentor befahrbar sein. Anschließend wird’s, wenn der Plan aufgeht, noch besser: Trotz der Bauarbeiten für das Millionenprojekt soll der Wall für den Fahrzeugverkehr frei sein. Nur Gehweg und Parkplätze bleiben im Bereich der Ruine gesperrt.

Annahmen, es sei in den vergangenen Wochen in dem Gebäude eher ruhig zugegangen und nicht gearbeitet worden, widerspricht Uwe Mahnken, Projektleiter „Wallkontor“, bei Müller & Bremermann energisch: „Wir haben in den vergangenen Wochen im Inneren des Gebäudes umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen durchgeführt, die elementar wichtig für die Sicherheit der Bauarbeiter und für die benachbarten Gebäude sind. Das war von außen nicht immer sichtbar, aber die Kollegen haben quasi hinter den Kulissen die Vorarbeiten erledigt, die einen Abriss überhaupt erst möglich machen.“

Stückchenweise sind inzwischen auch Teile abgetragen worden – per Hand, um Erschütterungen für die Nachbargebäude „möglichst gering zu halten und Schäden zu vermeiden“. Zudem wurden Baustoffe aus den insgesamt drei betroffenen Gebäuden gebracht, weil beispielsweise Holz, Stein und Metall vor Ort getrennt werden müssen, um sie zu entsorgen.

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