Bremen Eine schwere Typhusepidemie sucht Bremen anno 1868 heim. Die Stadt ist schlecht vorbereitet. Nicht genug Platz in den Spitälern, dazu eine mangelhafte medizinische Versorgung. So kann es nicht weitergehen, sagt man sich in der katholischen Gemeinde – und wird aktiv. Das Engagement führt 1869 zur Gründung des St.-Joseph-Stifts. Schwachhausens Krankenhaus feiert jetzt sein 150-jähriges Bestehen.

Die von der Epidemie geplagten Bremer Katholiken hatten sich an den Krankenpflegeorden der Franziskanerinnen in Münster (St. Mauritz) gewandt. Man schloss einen Vertrag, einen „Contract“. „Am 11. Mai 1869 kamen vier Ordensschwestern nach Bremen. Nach ihrem Wunsch wurde die Anstalt St.-Joseph-Stift genannt“, heißt es in einer Chronik. „Wie in dem ,Contract‘ vereinbart, pflegten sie Kranke ohne Unterschied der „Konfession und des Standes.“

Das Engagement der Katholiken zeigte Wirkung im protestantisch geprägten Bremen. Die Arbeit der Ordensschwestern „trug erheblich zum Abbau der konfessionellen Vorurteile bei“, heißt es. „Bereits im ersten Jahr wurden weit mehr protestantische als katholische Kranke gepflegt.“

Die Räume an der Mittelstraße im Ostertor sind bald zu klein. Der Verein für das St.-Joseph-Stift entschließt sich, ein neues Krankenhaus zu bauen. Nach den Entwürfen des Bremer Architekten Heinrich Flügel (1849-1930) entsteht es in den Jahren 1878 bis 1880 an der Schwachhauser Chaussee (heute Schwachhauser Heerstraße). Reste des neogotischen Bauwerks sind noch heute Teil des St.-Joseph-Stifts.

Von Beginn an wächst Bremens erstes katholisches Krankenhaus. 1874 öffnet eine Spezialabteilung für Augenkrankheiten, 1893 eine Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten. Zudem ist man Innovationen und neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen. Mit dem „Strahlenkabinett“ öffnet am St.-Joseph-Stift anno 1898 das deutschlandweit erste Röntgeninstitut in einem klinischen Betrieb – erst im Dezember 1895 hatte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) in Würzburg eine Aufnahme mit den nach ihn benannten Strahlen gemacht. Die Prozedur zog sich über Stunden hin.

Das St.-Joseph-Stift wuchs weiter – Anfang der 1930er-Jahre hatte es 500 Betten und sieben Spezialeinrichtungen; 80 Ordensschwestern pflegten die Patienten. In beiden Weltkriegen wurde das Hospital als Lazarett genutzt. Im Zweiten Weltkrieg gab es schwere Bombenschäden. Heute hat das Haus nach eigenen Angaben „458 Betten in den Kliniken Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe mit angeschlossener neonatologischer Einheit, Augenheilkunde, HNO-Heilkunde, Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Geriatrie und Frührehabilitation sowie Naturheilkunde.“

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