Bremen Vier Türme und ganz viel Leben: US-Stararchitekt Daniel Libeskind (72) war mit seiner Ehefrau und Büroleiterin Nina Libeskind in Bremen, um die bislang geheimen Pläne für das Sparkassen-Areal (Am Brill) vorzustellen. Auftraggeber sind die Investoren Pinchas und Samuel Schapira, die das Sparkassen-Grundstück übernehmen. Die Bank zieht mit ihrer Zentrale Ende 2020 in den Technologiepark. Mit dem Libeskind-Besuch ist die Zeit der Geheimdiplomatie vorbei. Jetzt werden die Pläne öffentlich diskutiert.

Und genau das sei auch erwünscht, so die Botschaft, die unter anderem Politiker, Verwaltungsleute und Vertreter der Handelskammer hörten. „Es ist nichts in Stein gemeißelt“, so Nina Libeskind. Man könne auch umplanen. Bislang war nur bekannt gewesen, dass der Entwurf für das 11 000-Quadratmeter-Areal vier ovale und begrünte Türme vorsieht. Entlang der Hankenstraße sollen sie hinter der historischen Sparkassen-Fassade aufragen.

Die Türme sollen unterschiedlich hoch sein und symbolisch für die vier Bremer Stadtmusikanten stehen. Der höchste Turm ist im Entwurf nur zwei Meter niedriger als der Dom (98 Meter). Die Dom-Höhe gilt in Bremen seit Jahrzehnten als architektonische und stadtplanerische Richtschnur. Der New Yorker Architekt nennt seine Türme „niedrig bis mittelhoch“.

An Historie orientiert

Libeskind orientierte sich an der Vergangenheit, an Bremens Geschichte, und orientierte an der Historie. Nicht weit vom Brill entfernt nämlich stand einst die (im Krieg zerstörte) St.-Ansgarii-Kirche, deren 118 Meter hoher Turm ein Wahrzeichen der Stadt war. Bremen sei immer ein Zentrum des Handels gewesen und mit Unternehmen wie dem Norddeutschen Lloyd in aller Welt bekannt. Bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Stadtansichten habe Libeskind gezeigt – im Vordergrund die Weser, dahinter die Türme der Altstadtkirchen. Die Botschaft: Höhe war in Bremen immer ein architektonisches Thema.

Bremen, so eine weitere Botschaft, sei noch immer eine internationale Stadt – heute zum Beispiel durch die vielen Touristen. Denen aber müsse man auch Attraktionen bieten. Hier setzt der Entwurf an, der mit seiner Mischung aus Kultur, Freizeit und Wohnen vieles von dem enthält, was gegenwärtig mit Blick auf die Zukunft der Innenstadt diskutiert wird. Mischnutzung ist das Zauberwort, ein sozialer Treffpunkt soll wachsen. Mit der historischen Kassenhalle wird das Herz des Areals geöffnet, eine großzügige Piazza soll für Leben und Begegnung sorgen.

Hotels sind geplant, Seniorenwohnungen, Appartements, Luxuswohnungen im Turm und auch Studentenwohnungen. Einzelhandel ist an der Brill-Seite und an der Bürgermeister-Smidt-Straße vorgesehen. Ein „Sky Café“ soll Blicke über Bremens historischen Kern ermöglichen. Und: „Auf der Nordseite des Geländes ist ein Kulturgebäude geplant, um die Vielfalt der Nutzungsangebote um eine Vielzahl an kulturellen Aktivitäten zu bereichern“, so Amanda de Beaufort vom Studio Libeskind. Für das Kulturgebäude gibt es schon konkretere Ideen. Das Focke-Museum könnte hier einziehen. Es hat Platznöte – und seine Lage in Schwachhausen gilt als schwierig, was Besuche von Touristen angeht.

Ronny Meyer, Staatsrat für Umwelt, Bau und Verkehr, sprach von einem „überzeugenden Aufschlag“, der jetzt diskutiert werden müsse. Auch Beirat und Deputation würden beteiligt, zudem werde ein Gestaltungsgremium eingesetzt – besetzt mit Architekt und Bauherren sowie Senatsbaudirektorin Iris Reuther, Landeskonservator Georg Skalecki und dem Präsidenten der Architektenkammer, Oliver Platz. Man müsse genau hinsehen, ob sich das Vorhaben mit der Umgebung und damit der Nachbarschaft verträgt, so Staatsrat Meyer.

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Beginn im September?

Björn Tschöpe (SPD): „Das Bauvorhaben muss auch einen Beitrag dazu leisten, dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder: „Zukunftsweisende und außergewöhnliche Architektur kann ein Imagegewinn sein und zusätzliche Anziehungskraft für unsere schöne Stadt generieren.“ FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner: „Wir unterstützen den Wunsch der Handelskammer, dass Bremen den Mut haben wird, dieses Projekt umzusetzen.“ Die Libeskind-Seite möchte indes mit der Bauleitplanung im September zu beginnen.

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