Bremen Ein „Bremer Engel“ zu sein, das „hat für mich dieser Tage noch mal ein ganz anderes Gewicht“, sagt Beate Tinnemeyer. Sie ist eine von acht speziell ausgebildeten Kinderkrankenschwestern und zwei Therapeutinnen, die an drei Bremer Kinderkliniken sowie am Josef-Hospital in Delmenhorst arbeiten und – finanziert von der Erika-Müller-Stiftung – für mobile Familienhilfe im Einsatz sind.

„Wir lernen unsere Patienten im Krankenhaus kennen und begleiten sie nach der Entlassung im häuslichen Umfeld weiter. Durch die Ausbreitung des Corona-Virus haben diese Hausbesuche eine weitere Bedeutung bekommen – insbesondere, weil Covid-19 mit ganz vielen Fragen einhergeht“, so Beate Tinnemeyer.

Als „Bremer Engel“ an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser betreut sie Frühchen, Kinder und Jugendliche mit Herzfehlern, Nieren-, Darm- oder Stoffwechselerkrankungen sowie Immundefekten. „Damit gehören meine Patienten einer Risikogruppe an, die schwerer an Corona erkranken kann. Das macht verständlicherweise insbesondere den Eltern Angst“, so die 54-Jährige. Auf sie einzugehen, zu beruhigen und Unsicherheiten zu nehmen, darin hat die Krankenschwester bereits viel Erfahrung.

Denn genau das gehört seit nunmehr acht Jahren zu ihrer Arbeit als „Bremer Engel“. „Wer ein schwerst- oder chronisch krankes Kind hat, der durchlebt viele schwierige Situationen und macht sich oft Sorgen. Allen Familienmitgliedern zuzuhören, ist für meine Kolleginnen und mich genauso wichtig, wie dafür zu sorgen, dass die Therapie unserer Patienten im Sinne der behandelnden Ärzte fortgeführt wird“, erklärt sie.

Beate Tinnemeyer ist froh und dankbar, dass sie als „Bremer Engel“ dafür die notwendige Zeit mitbringt – mitbringen kann. „Wenn ich merke, dass die Umstellung der Ernährung oder des Medikamentenplans noch mal besprochen werden muss oder aktuell wegen Corona mehr Gesprächsbedarf besteht, kann ich in diesen, aber auch allen anderen Fällen so lange bleiben, bis alles geklärt wurde. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt sie.

Ob derzeit „Bremer Engel“-Hausbesuche bei ihnen stattfinden dürfen, entscheiden die Eltern. „Vieles lässt sich vorübergehend auch telefonisch regeln, aber natürlich längst nicht alles“, sagt Beate Tinnemeyer.

Für einige Patienten, so Dr. Martin Claßen, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser und der Prof.-Hess-Kinderklinik, sei die Begleitung durch die „Bremer Engel“ zu Hause jetzt sogar wichtiger denn je: „Daheim zu bleiben und dort medizinisch versorgt zu werden, ist für sie der beste Schutz.“

So müsse bei Frühgeborenen zum Beispiel regelmäßig die Gewichtszunahme kontrolliert, bei anderen Patienten eine wichtige Infusion gelegt werden. Ein Mädchen etwa, das Beate Tinnemeyer schon viele Jahre begleitet, bekommt auf diesem Wege ein Immunglobulin verabreicht. Ohne die Behandlung würde es der an einem angeborenen Eiweißverlustsyndrom leidenden Jugendlichen schnell schlechter gehen, heißt es weiter.

Andere Unterstützung, die die „Bremer Engel“ normalerweise ebenfalls leisten – Aufklärungsarbeit in Kindergärten und Sportvereinen ihrer Patienten zum Beispiel und die Begleitung von Familien bei Behördengängen – müsse jedoch vorübergehend entfallen. Beate Tinnemeyer: „Wichtig ist jetzt erst mal, Sicherheit in unsicheren Zeiten zu geben. Und dafür sind wir ,Bremer Engel‘ auch weiterhin in der gesamten Nordwestregion unterwegs.“

NWZonline.de/gesundheit
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