Bremen Bremen hat lange Traditionen, die Schaffermahlzeit oder auch das Eiswettfest. Einst waren beide Veranstaltungen ausschließlich Männern vorbehalten. Während die Schaffer mittlerweile immer wieder Ausnahmen machen und auch Frauen im Rathaus mit an die Tafeln lassen, zeigt man sich beim Eiswettfest weniger flexibel. Das führte am Wochenende zu erheblichen Missstimmungen.

Tradition versus Protokoll: Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) konnte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) nicht offiziell vertreten, obwohl sie dem Protokoll nach die offizielle Vertreterin des Regierungschefs ist. Denn Frauen sind beim Eiswettfest nicht zugelassen. Die Nichteinladung von Linnert, die ebenfalls Finanzsenatorin ist, erzürnte auch Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Er sagte seine Teilnahme nach Angaben seiner Sprecherin am Samstag kurzerhand ab.

Bürgermeister Sieling als Regierungschef des kleinsten Bundeslandes musste seine Teilnahme absagen, weil er an der Trauerfeier für den bei einem Attentat getöteten Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz war. Danzig ist Partnerstadt Bremens. Protokollarisch wäre nun Linnert als Bürgermeisterin beim traditionellen Eiswettfest gewesen. Das ist laut der Sprecherin des Innensenators, Rose Gerdts-Schiffler, Tradition. Schon immer habe ein Bürgermeister mit am Tisch gesessen. Medienberichten zufolge behalfen sich die Veranstalter, um keine Frau einladen zu müssen: Sie setzten kurzerhand Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz auf Sielings Platz. Linnert blieb außen vor.

Beim Eiswettfest kommen Hunderte Männer in Frack und Smoking zusammen, um hinter verschlossenen Türen im Bremer Congress-Zentrum nach einem minuziösen Ablauf Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu sammeln. Den Brauch der Eiswette gibt es in Bremen seit 1828. Immer am Dreikönigstag am 6. Januar wird die Frage geklärt, ob die Weser zugefroren ist oder nicht. Die Eiswett-Genossen und ihre Gäste kommen dann am dritten Samstag im Januar zum Eiswettfest zusammen.

Bei der Schaffermahlzeit versammeln sich kaufmännische und seemännische Mitglieder der Stiftung Haus Seefahrt mit auswärtigen Gäste. Hier sind seit 2015 auch Damen als Gäste zugelassen.

„Ich bin sehr stolz auf meinen Chef“, sagte die Sprecherin des Innensenators, Gerdts-Schiffler, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Er habe die Teilnahme nach einem Gespräch mit Linnert abgesagt. Ihr Chef selber sei schon öfters beim Eiswettfest gewesen, habe die Veranstaltung aber auch nicht mehr zeitgemäß gefunden.

Über die sozialen Medien macht Linnert ihrem Ärger Luft. „Die Herren der Eiswette legen allergrößten Wert auf Etikette. Das Protokoll spielt dann aber plötzlich keine Rolle mehr, wenn – oh Schreck – die offizielle Vertretung des Bremer Bürgermeisters nun mal die Bremer Bürgermeisterin ist. Wir feiern in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht – und die Eiswette hält es unter dem Deckmäntelchen der Tradition noch immer für richtig, Frauen auszuschließen. Dessen ungeachtet wünsche ich den Herren einen schönen Abend“, schreibt die Grünen-Politikerin auf Facebook.

Die gleichstellungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, Claudia Bernhard, hatte vor der Veranstaltung schon auf mehr Konfrontation des Senats gehofft. „Der Senat hätte die Bürgermeisterin Karoline Linnert schicken sollen und ausprobieren, ob man sich traut, ihr den Zugang zu verweigern. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, den Frauenausschluss entweder zu skandalisieren - oder zu durchbrechen“, hatte sie im Vorfeld mitgeteilt.

Eiswett-Präsident Patrick Wendisch sagte vor der Veranstaltung der „Bild“-Zeitung über die Nichteinladung: „Wir sind ein Herrenclub, machen diesen Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre.“

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