Bremen Im Prozess gegen einen 36-Jährigen, der seiner Freundin einen Kugelschreiber ins Auge gestochen haben soll, hat das Opfer selbst den Mann schwer belastet. Die 33-jährige Syrerin berichtete am Mittwoch am Landgericht Bremen unter Tränen von brutalen Übergriffen des türkischen Angeklagten.

„Ich wusste, wenn er mich noch einmal schlägt, dann sterbe ich“, sagte die Frau, die per Video mit arabischer Übersetzung in den Gerichtssaal zugeschaltet war. Sie schilderte auch den Vorfall vom Januar 2019 in einem Bus, wo der 36-Jährige ihr laut Anklage den Kugelschreiber ins linke Auge stieß. Er ist wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Vorm Bürgerkrieg in Syrien geflohen

Die Frau war 2015 mit ihrer Tochter vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland geflohen. In einer Flüchtlingsunterkunft in Bremen lernte sie den 36-Jährigen kennen, der dort arbeitete und Essen an Flüchtlinge austeilte. Beide verliebten sich, heirateten nach islamischem Recht, aber nicht standesamtlich.

Als sie 2016 schwanger geworden sei, habe sie den Eindruck gehabt, der 36-Jährige betrachte sie als Eigentum. Sie schilderte, dass der Mann sie heftig immer wieder mit verschiedenen Gegenständen geschlagen habe, darunter mit einem Mixer und einer Holzstange.

Nach diesem Vorfall gab es zunächst keinen direkten Kontakt mehr, bis sie den Mann zufällig wieder traf. Dabei kam es erneut zum Streit, bei dem er sie mit einem Gegenstand schwer am Auge verletzte, ihr aber aus Angst vor der Polizei den Gang ins Krankenhaus verwehrte: „Mir war sofort schwarz vor Augen und ich sah Blut.“

Bis heute in psychologischer Behandlung

Bei der anschließenden Busfahrt griff der Mann sie erneut an und konnte nur von Passagieren gestoppt werden. Die Frau ist bis heute traumatisiert, hat Schmerzen und ist in psychologischer Behandlung, wie der Richter sagte.

Der Beschluss, die Zeugin per Video-Audio-Schalte zu vernehmen, begründete das Gericht mit der Gefahr eines massiven seelischen Schadens, wenn die Frau im Gerichtssaal auf den Angeklagten treffe. Auch der Wohnort der Frau wurde bei der Abfrage der Personalien bewusst nicht erwähnt. Die Vernehmung wurde zwischenzeitlich kurz unterbrochen. „Ich wollte glücklich sein in meinem Zuhause“, sagte die 33-Jährige zuvor: „Ich habe meine Tochter aus Syrien rausgebracht, damit sie friedlich lebt.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

NWZONLINE-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten.
Meine E-Mail wird nur zu diesem Zweck verwendet.
Einwilligung jederzeit wider­rufbar, Abmeldelink in jeder E-Mail. Die Datenschutz­erklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.