Bremen Mechanik fasziniert ihn sehr, das ist nicht zu übersehen. Und er bringt all die Zahnräder, Schrauben und Metallteile nicht nur in Bewegung, er haucht ihnen Leben und eine Seele ein – so, wie nur ein Clown es kann. Der Italiener Paolo Carillon tritt als poetischer Clown bei Roncalli auf. Der Circus ist gegenwärtig mit seinem Programm „Storyteller – Gestern. Heute. Morgen.“ auf der Bürgerweide zu sehen.

Als Kind hatte Paolo Casanova schon davon geträumt, im Zirkus aufzutreten. Er kommt aus Turin, wo das Herz der italienischen Automobilindustrie schlägt. Und arbeitete dort als Auto- und Motorraddesigner für große Marken. „Aber der Clown war immer in meinem Herzen“, sagt Casanova (54) beim Gespräch in seinem Roncalli-Wohnwagen.

Der Designer ist ein leidenschaftlicher Tüftler. Er liebt Grammophone, Uhrwerke und Spieluhren, in seinem Wagen stehen einige davon. Seine Requisiten baut er aus alten Spielzeugen und Dingen, die er auf Flohmärkten findet. „Ich gebe ihnen eine zweite Chance – ein neues Leben in meiner Show.“

Da werden dann beispielsweise Pfannenwender zu Hundeohren – und ein Fernglas wird zum Augenpaar des Hunds, der einen Metallkörper hat und ferngesteuert funktioniert. Und da landet die nostalgische Spielzeugeisenbahn dampfend auf dem Zylinder, den der Künstler auf dem Kopf trägt.

Das ist die Welt, in der Carillon lebt. Carillon, so nennt Casanova sich als Clown – eine Figur, die an das viktorianische Zeitalter erinnern soll, wie der 54-Jährige erzählt. Carillon, das ist ein interessantes Wort. Im Italienischen bedeutet es Spieluhr und Spieldose – mechanische Apparate, die Melodien spielen, was will man mehr? Im Französischen steht „carillon“ für „Glockenspiel“.

Ja, Musik gehört auch zu Carillons Auftritt. „Die Musik wurde extra für mich geschrieben“, sagt der Clown. „Sie trägt sehr viel zur Atmosphäre bei.“ Maßgeschneiderte Klänge also. Apropos – Maßanfertigungen sind auch Carillons Kostüme: „Die macht meine Frau. Sie ist Schneiderin.“

Bei Roncalli ist der Künstler seit vier Jahren, es ist sein erstes langfristiges Engagement. Zustande kam es nach einem Clown-Festival in Frankreich, bei dem der Italiener mitgemacht hatte. Sein Auftritt dauert „fünf, sechs Minuten“, sagt Carillon. Doch die Arbeit, die in all den Zutaten, all den Requisiten und Kostümen steckt, die dauert viel länger: „Eineinhalb bis zwei Jahre.“

Und es ist ein kontinuierlicher Prozess. Carillon besucht Flohmärkte, so oft es geht. Ebenso gerne stöbert er in Spielzeuggeschäften. „Früher waren es immer meine Kinder, die ins Spielzeuggeschäft wollten. Ich bin da natürlich gern mit reingegangen. Und heute bin nur noch ich es, der da hinein möchte. . .“ Carillon lächelt und sagt: „Peter Pan.“ Das Kind, das niemals erwachsen wird. Viele Ideen für seine Programme kommen ihm in der Nacht, erzählt Carillon. „Und deshalb liegt dies hier immer neben meinem Bett.“ Der Künstler zeigt auf ein Notiz- und Skizzenbuch.

Die Seiten sind mit Bildern und Aufzeichnungen gefüllt, ein handschriftliches Rezeptbuch der mechanischen Poesie, wenn man so will. „Ich kann bei Dunkelheit schreiben“, sagt Carillon. Das Licht knipst er nachts nie an. „Sonst ist der Zauber weg.“

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