Bremen Als „Bianca“ und „Nena“ die kleine Menschengruppe erblicken, lösen sie sich von der Angus-Rinderherde und kommen neugierig ans Weidegatter. Im Hintergrund sieht man die schwarzen und braunen Angus-Kühe mit ihren Kälbern. Birgit Olbrich vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Landwirt Stefan Haake, der die Pferde vom BUND gepachtet hat, und Naturschutzwart Heinz Heumann stellen ihre Dülmener Landschaftspfleger vor: „Nena“ und „Bianca“. Die Jüngere ist zutraulich und verspielt. Ihre ältere Gefährtin zurückhaltend.

Weitgehend frei leben die beiden Ponystuten mit den Angus-Rindern auf einem rund 25 Hektar großen Areal, das in drei Parzellen aufgeteilt ist. Ihre Aufgabe ist es eine offene Weidelandschaft auf den Sandspülfeldern zu erhalten. Bislang wurden die pflegerischen Maßnahmen von Menschenhand durchgeführt. Ohne Pflege oder Beweidung würden die ökologisch wertvollen, mageren Wiesen „verbuschen“, wie es heißt.

Dank des Engagements der Naturschützer und der Kooperation mit dem Landwirt findet sich hinter den Stahlwerken eine lebendige Landschaft. „Hier wachsen viele Heilkräuter und Wildpflanzen“, sagt Olbrich. „Es ist außerdem der artenreichste Standort für verschiedene Flechtenarten. Auch Heuschrecken und Schmetterlinge gibt es reichlich, unter anderem die Blauflügelige Ödlandschrecke.“ Viele Grashüpfer und Heuschrecken seien durch die Vernichtung ihrer Lebensräume vom Aussterben bedroht. Stark gefährdete Arten, darunter auch Amphibien, fänden hier ihre Nische und machten die Fläche zum zoologisch wertvollsten Sandspülfeld in Bremen.

Pferde und Rinder ergänzen sich bei der Landschaftspflege. „Sie bevorzugen unterschiedliche Pflanzen“, erklärt Rinderzüchter Haake. Pferde knabbern neben Gräsern auch gern an Büschen und Bäumen, während die Rinder jene Grasstellen abweiden, die die Pferde verschmähen.

„Die Herde ist so tiefenentspannt“, freut sich der Landwirt. „Man sieht den Tieren an, dass es ihnen gut geht und ihnen genug Futter zur Verfügung steht.“ Die Anzahl der Tiere und die Intensität der Beweidung müssten aber jedes Jahr neu beobachtet werden, damit der positive Effekt durch Tritt, Fraß und Suhlen erhalten bleibe. Bei den Pferden ist bereits mit Zuwachs zu rechnen. Denn beide Stuten sollen tragend sein.

Obwohl die Tiere weitgehend frei leben, wird ständig nach dem Rechten geschaut. Stefan Haake ist der Rinderexperte, seine Frau Ina die Sachkundige für die Pferde. Ihr Hof grenzt direkt an die Spülsandflächen. Auch Naturschutzwart und Spendenpate Heumann durchstreift täglich sein Revier. Manchmal sind die tierischen Landschaftspfleger kaum auszumachen. Denn zur Weidefläche gehören insgesamt bis zu drei Hektar Bruchwald. „Solche Kooperationen zwischen Naturschutz und Landwirtschaft funktionieren hier in Bremen ganz gut“, sagt Olbrich. Hilfreich ist, dass Haake seine Landwirtschaft im Nebenerwerb betreibt und die Familie mithilft. „Doch damit sich die Landwirtschaft auch für kleinere und extensiv wirtschaftende Betriebe auszahlt, dafür hat die EU die politischen Hebel in der Hand.“

Die Mittelsbürener Sandspülfelder wurden 2010 dem Naturschutzgebiet Werderland hinzugefügt. Insgesamt zählt es über 330,7 Hektar. Seit 1998 betreut der BUND das Areal. Die Ödland ähnliche Bodenbeschaffenheit ist durch eingespülten Baggersand aus der Weser entstanden. Die Flächen sind nur über die Lesumbroker Landstraße zu erreichen. Die Deichstraße führt vorbei an der Moorlosen Kirche, durch Feuchtwiesen und durch das Vogelschutzgebiet.

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