Bremen Am 2. September 1998 spielten die Rolling Stones in Bremen im Weserstadion; es gibt Einheimische, die sich noch an dieses Konzert erinnern. Willi Lemke (72) zum Beispiel, damals Manager des SV Werder Bremen, später Senator an der Weser. „Es war super“, erzählt er rückblickend. „Das war mit Sicherheit eins der Highlights für das Weserstadion.“ Mick Jagger und Co. stiegen mit ihrem Klassiker „Satisfaction“ ein und schlossen zweieinhalb Stunden später mit „Brown Sugar“ ab.

Nun haben die Rolling Stones in Jahrzehnten ihrer Karriere viele gute Konzerte gegeben, woher sonst der Ruf als größte Rock’n’Roll-Band der Welt? Aber dem Bremer Konzert wird mit 21 Jahren Abstand eine besondere Ehre zuteil: Die Stones bringen es am Freitag als offiziellen Konzertfilm heraus. „Bridges to Bremen“ heißt die DVD/CD-Box, 22 Songs aus dem Weserstadion, vier Bonustracks vom Soldier Field in Chicago in den USA.

Genau in dieser Football-Arena setzt die Band ebenfalls am Freitag ihre unterbrochene US-Tournee fort. Mit der Ankündigung des Films hatten die Stones im Frühjahr die Zwangspause nach Jaggers Herz-Operation überbrückt. Nur vergaßen die Rockgötter mitzuteilen, warum ihre Wahl gerade auf das Bremen-Konzert gefallen ist. Auch das Label Rock Eagle Entertainment äußerte sich auf Anfrage nicht.

„Ausgerechnet aus Bremen!“, maulte das „Hamburger Abendblatt“, also die hanseatische Konkurrenz. Und wirklich: Hatten die Stones 1998 nicht zwei Tage vorher in der Trabrennbahn Bahrenfeld vor 90 000 Fans gespielt? Und Bremen war mit 32 300 abgesetzten Tickets nicht einmal ausverkauft gewesen! Das war den Stones auf jener Europa-Tournee nur äußerst selten passiert. Aber vielleicht war der norddeutsche Markt nach dem Hamburger Konzert einfach abgegrast gewesen.

Die Tour hieß „Bridges to Babylon“. Da passt Bremen schon sprachlich mit dem Stabreim „Bridges to Bremen“. Brücken nach Gelsenkirchen, Düsseldorf oder München? Alles Stationen jenes Sommers, nur klingen sie weniger effektvoll. „Bridges to Babylon“ war die erste Tournee der Stones, bei der die Fans bei jedem Konzert einen Song ins Programm bestimmen durften. In Bremen wählten sie die Ballade „Memory Motel“.

Stones-Fan war Willi Lemke nach eigener Aussage in seiner „Sturm- und Drang-Zeit von 17 bis 23 Jahren“ gewesen: „Da fand ich die Stones besser als die Beatles. Das hat sich dann später gedreht“, sagt er. Vor dem Bremer Konzert musste das Stadion mit Bühne, Garderoben und VIP-Räumen kompliziert vorbereitet werden. „Es war unglaublich viel Theater damit verbunden.“

Als Werder-Manager durfte Willi Lemke der Band vor dem Konzert sogar die Hände schütteln. Die Musiker lobten den Bremer Fußball, waren aber nach Lemkes Eindruck nicht ganz bei der Sache. „Die waren sehr lustig und nicht besonders konzentriert.“ Das änderte sich allerdings, als die Rolling Stones dann auf der Bühne loslegten. Da habe er im Innenraum des Stadions gestanden und gedacht: „Mein Gott, was seid Ihr für Teufelskerle!“

Auf den Rängen saß der Journalist Klaus Fricke, für den es damals das zehnte Stones-Konzert war. Vor Veröffentlichung von „Bridges to Bremen“ schrieb er seine Erinnerungen in der „Nordwest-Zeitung“ auf: „Die Stones präsentierten sich in guter bis sehr guter Form, spielten weit über zwei Stunden Hit auf Hit, und das Wetter war prima.“ Nun gebe es auch noch den Film dazu, so Fricke, und so sei es im Rückblick eben nicht nur einer von unzähligen Auftritten der Rolling Stones gewesen, sondern ein „denkwürdiges Konzert“.

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