Bremen „Es gibt wenige Anzeichen für eine baldige Belebung der Wirtschaft“, sagt Janina Marahrens-Hashagen, Präses der Handelskammer Bremen. Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer und Syndicus der Kammer, ergänzt: „Bremen muss sich 2020 auf ein Nullwachstum einstellen.“ Die Handelskammer präsentierte am Dienstag ihren Jahresbericht.

Die exportorientierte Wirtschaft des Zwei-Städte-Staats leide unter den globalen Handelskonflikten wie zwischen den USA und China, sagt Marahrens-Hashagen. Unsicher sei, wie die Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien nach dem vollzogenen Austritt aus der EU geregelt werden. Das Land sei für Bremen der drittwichtigste Handelspartner. Als aktuelle Bedrohung für die Handelsströme komme das Coronavirus hinzu. „Wir werden in diesem Jahr deutlich mit dem Thema zu tun haben“, ergänzt Fonger.

Daneben stellten die Themen Energiewende, Klimaschutz, Digitalisierung und Fachkräftemangel die bremische Wirtschaft vor große strukturelle Herausforderungen. Die Kammer fordert deshalb den Senat auf, die Wirtschaftsstandorte Bremen und Bremerhaven für eine schwächere konjunkturelle Phase fit zu machen. In den Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2020/21 müsse nachjustiert werden. Der Nachdruck auf Bildung und Klimaschutz sei wichtig, so Fonger. Aber es müsse auch Schwerpunkt sein, die Wirtschaft zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern.

Laut Marahrens-Hashagen sei nicht erkennbar, wie wichtige Investitionen in die sanierungsbedürftige Straßeninfrastruktur und in die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt finanziert werden sollen. Ebenso vermisst die Kammer im Haushaltsentwurf zusätzliche Mittel, die der Flughafen für die Überwindung des Investitionsstaus benötige. Außerdem müsse Bremen weiter neue Gewerbeflächen erschließen. Dafür muss laut Fonger die Wirtschaftsförderung handlungsfähig und mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

Er verwies darauf, dass 2019 im Land Bremen mehr neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden seien. Zugleich sei aber die Arbeitslosigkeit im Land gestiegen, obwohl sie im Bundesdurchschnitt abgenommen habe. Diese Jobs seien an Beschäftigte gegangen, die im Umland wohnen. Ebendiese Abwanderung müsse das Land Bremen stoppen. Die Handelskammer hat jüngst eine Berechnung vorgelegt, die zeigt, dass in den vergangenen zehn Jahren rund 16 500 Einwohner aus Bremen in das Umland abgewandert sind. Dadurch sind dem Land 2019 rund 100 Millionen Euro an Einnahmen entgangen.

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