Gespräch
„Ich will, dass es komisch endet“

Gregor Gysi begeisterte mit seinen Erzählungen das Publikum. Dabei ging es auch um seine Zeit in der DDR.

Bild: Martin Kowalewski
Sommergast im Theater: Gregor GysiBild: Martin Kowalewski
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Bremen Er ist ein rhetorisch brillanter und geistig gewandter Sympath, der sein Publikum immer wieder zum Schmunzeln und Klatschen animiert: Gregor Gysi (70), Linken-Politiker und langjähriger Fraktionsvorsitzender, ist sogar dann unterhaltsam, wenn er davon spricht, wie seine Beerdigung sein soll: „Ich will auf dem Meer verstreut werden. Wenn die Asche verstreut wird, soll es einen Windstoß geben, so dass sie meinen Angehörigen ins Gesicht weht. Ich will, dass das komisch endet.“ Am Sonnabend war er „Sommergast“ bei Radio Bremen Zwei und lockte Hunderte in das Theater am Goetheplatz.

Gysi war nicht nur mit 23  Jahren der jüngste Rechtsanwalt der DDR und lernte hier das Vermitteln zwischen den Fronten. „Wir hatten in der DDR eine extreme Verrechtlichung. Man konnte mit juristischen Mitteln viel erreichen, außer es ging um politische Machtfragen.“ Er habe sich als Anwalt von Regierungskritikern in Prozessen oft an das Zentralkomitee der SED gewandt und den Leuten dort verdeutlicht, dass sie sich selbst und dem Ansehen des Landes schaden. So habe er immer wieder die Einstellung von Verfahren erreicht. Diese Umgangsweise mit der gegnerischen Seite habe er auch als Bürger der Bundesrepublik weiter erfolgreich praktiziert. „Ich habe den Leuten in China gesagt, ich habe in zwei deutschen Staaten gelebt, die unterschiedliche Arten hatten, mit Oppositionellen umzugehen“, sagt Gysi. „Die einen haben einen kritischen Autor weggesperrt und ihn damit zur Berühmtheit gemacht. Die anderen haben gesagt, egal, den kennt doch eh keiner.“ Darauf hätten die Chinesen entgeistert geantwortet: „Wollen Sie damit sagen, wir haben Ai Weiwei zum Weltstar gemacht?“

Auch zur aktuellen Politik hat Gysi viel zu erzählen, beschreibt große Differenzen zwischen der europäischen und der deutschen Linken. „Es geht um die Frage, ob man Probleme national oder international angeht“, sagt er und greift später einige Jahre zurück: „Ich war gegen die Einführung des Euro. Ich habe schon damals gesagt, die Integration über eine Währung sorgt einfach dafür, dass das billigste Angebot gilt.“

Es wäre allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht richtig, den Euro zu verlassen. Tatsächlich hat Gysi eine durchaus konkrete Vorstellung eines guten Wirtschaftssystems. Zunächst müsse die Macht der großen Konzerne begrenzt werden. „Die wollen eigentlich alleine auf dem Markt sein. Die wollen die Marktwirtschaft abschaffen“, sagt er. „Die Daseinsvorsorge muss in öffentliche Hand. Alles zwischen Daseinsvorsorge und Großkonzernen kann man dem Markt überlassen oder Genossenschaften.“

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