Bremen War es ein tragischer Unfall, der einen 50-Jährigen das Leben kostete, Suizid oder ein Verbrechen? Diesen Fragen geht das Bremer Landgericht im Fall eines 65 Jahre alten Angeklagten nach, der sich wegen Totschlags und Störung der Totenruhe verantworten muss. Der Mann soll seinen Nachbarn erschossen und die Leiche zerstückelt haben. Auf der Suche nach Antworten befragte die Kammer am Donnerstag eine Rechtsmedizinerin, auch Gutachten wurden verlesen.

In wenigen Worten lässt sich der Stand der aktuellen Beweisaufnahme beschreiben: drei Versionen, viele Fragen. Zum einen gibt es die Version des Angeklagten: Anfang September 2019 habe ihn das spätere Opfer besucht, um die gemeinsame Cannabisplantage zu begutachten. Der Nachbar habe dabei mit seiner geladenen Waffe hantiert, plötzlich löste sich ein Schuss und traf den Mann direkt unterhalb seines rechten Ohres. Der 50-Jährige war sofort tot. Aus Angst habe er weder Polizei noch Rettungsdienst gerufen, sondern über mehrere Wochen die Leiche zerstückelt und entsorgt. Zudem brachte der Angeklagte eine weitere Version ins Spiel: Suizid. Schließlich habe der 50-Jährige mehrfach Suizidgedanken geäußert. In ihrer Version geht die Staatsanwaltschaft von einem zielgerichteten Verbrechen aus. Demnach erschoss der Rentner seinen Nachbarn vorsätzlich mit einem Revolver. Womöglich ging es um Geld, laut Anklage könnte aber auch „sportliches Vergnügen“ oder ein sexueller Hintergrund das Motiv sein.

Die bestellte Rechtsmedizinerin, die Blutspuren in den Wohnungen der Männer analysiert hatte, kam bei ihrer Aussage zum Ergebnis, dass der 50-Jährige sehr wahrscheinlich auf dem Sofa des Rentners gestorben sei. Dort stellte sie eine Blutlache fest. Wie der Mann konkret zu Tode kam, ließe sich anhand der Spuren nicht ausmachen.

Zwar konnten Gutachten des Landes- und Bundeskriminalamts diese Frage auch nicht klären, dennoch geben sie zu zwei zentralen Bereichen zumindest Teilantworten: Zum einen fanden die Analysten weder Schmauchspuren an der rechten Hand des Opfers noch an den Fingerkuppen seiner linken Hand. Diese wären zu erwarten gewesen, hätte der Mann sich selbst umgebracht. Weiter kam die Untersuchung zum Ergebnis, dass die Entfernung zwischen Waffenmündung und Kopf des 50-Jährigen etwa 30 bis 60 Zentimeter betragen habe. Inwieweit eine Selbsttötung – ob gewollt oder ungewollt – so möglich gewesen sein soll, ist fraglich.

Brisant: Ermittler fanden auf dem Sofa des Rentners ein Kissen. Auf diesem seien zwei Löcher festgestellt worden, die darauf hindeuten würden, dass das Kissen direkten Kontakt zu einer Waffe hatte. „Es handelt sich dabei um einen aufgesetzten Nahschuss“, heißt es im Gutachten.

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