BREMEN Wenn er richtig gut drauf ist – und das kommt oft vor – dann ist Bernd Neumann rhetorisch geradezu brillant. Am Sonnabend hat sich der 66-Jährige auf dem Parteitag nach 29 Jahren als Chef der Bremer CDU verabschiedet. Und er räumte ein: „Mir fällt dieser Augenblick sehr schwer.“

Aber er sehe optimistisch in die Zukunft, ergänzte der willensstarke Neumann, der so lange wie kein anderer an der Spitze eines CDU-Landesverbandes stand. Als die rund 200 Delegierten sich ihm zu Ehren erhoben, musste das CDU-Urgestein doch ganz schön schlucken.

Auch wenn sich Neumann künftig auf seine „wunderbare Arbeit in Berlin“ als Kultur-Staatsminister konzentrieren möchte, geht er der Bremer CDU nicht verloren: Neumann wurde mit 97,6 Prozent zum ersten Ehrenvorsitzenden gewählt.

Zu seinem Nachfolger als Parteichef wählte der Parteitag mit 83,5 Prozent den einzigen Kandidaten, der sich beworben hatte: den früheren Innensenator Thomas Röwekamp (41).

Mit dem Rückzug Neumanns geht eine Ära zu Ende. So war es kein Wunder, dass der Parteitag von bewegenden Momenten, aber auch Aufbruchstimmung geprägt war. Und sicherlich war es eine hohe Anerkennung für den 66-Jährigen, dass es sich Weggefährten aus der SPD wie die Alt-Bürgermeister Hans Koschnick und Henning Scherf sowie Ex-Innensena-tor Willi Lemke nicht hatten nehmen lassen, bei der „Konkurrenz“ zu erscheinen.

Neumann sagte, ihm sei 2007 nach dem Gang in die Opposition klar geworden, dass eine neue Epoche beginne. Er blickte auf sein Lebenswerk zurück, in dem es ihm gelungen war, die Christdemokraten nach 36-jähriger Oppositionszeit mit in die Regierungsverantwortung zu bringen. Er richtete speziell einen Dank an Scherf: „Sie haben an dem Erfolg der großen Koalition großen Anteil gehabt. Sie waren immer ein fairer und verlässlicher Partner.“

Zu seinen Bremer Highlights zählte Neumann den von ihm ins Leben gerufenen Neujahrsempfang. Es sei nach wie vor der größte der Union in Deutschland. Namhafte Bundes- und Landespolitiker holte er zu den Veranstaltungen. Als spektakulär gilt bis heute der Auftritt von Alt-Kanzler Helmut Kohl, der auf dem Höhepunkt der CDU-Spendenaffäre im Januar 2000 nach Bremen kam, wo er von 4000 Gästen gefeiert wurde.

Als Gastredner traten der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und der ehemalige Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Reinhard Metz (beide CDU), auf. In einer launigen Rede räumte Metz mit einem Vorurteil über Neumann auf: „Der Vorwurf, er baue niemanden auf, ist bist heute falsch. Seine Amtszeit war immer geprägt von der Suche nach starken Kombattanten.“ Rüttgers erkannte eine Stärke des Kultur-Staatsministers, die ihm selber nicht vergönnt war: Die Bremer CDU habe nur 36 Jahre gebraucht, um in die Regierung zu kommen. Die nordrhein-westfälischen Christdemokraten benötigten dagegen 39 Jahre.

Der neue Parteichef Thomas Röwekamp griff die rot-grüne Bremer Regierung scharf an. Sie beschränke sich auf das Ausgeben von Geld, Perspektiven und Impulse in der Wirtschaftspolitik fehlten. Sein Ziel: „Ich will, dass die CDU stärkste Partei in Bremen und Bremerhaven wird.“

Als stellvertretende Landesvorsitzende wurden Catrin Hannken, Jörg Kastendiek und Hartmut Perschau gewählt.

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