BRAKE Es riecht. Es stinkt nicht. Es riecht. Es riecht nach – wonach eigentlich? Ich bin mir nicht sicher, nur da ich weiß, wo ich bin, glaube ich auch zu wissen, was da riecht. Ich bin in der Kläranlage Brake. Und darf heute mal selbst anpacken.

Ob ich mich wohl dreckig machen würde, fragte ich mich im Vorfeld. Wer sonst im Büro sitzt, macht sich so seine Gedanken. Aber Robert Kuck gibt schnell Entwarnung: „Das ist ein Vorurteil, dass man hier in die Becken steigt und mit dem Besen schrubben muss; das hat mit meiner Arbeit nichts zu tun.“ Der 42-Jährige ist der Dienststellenleiter der Braker Kläranlage und hat mich für einen – nun ja, fast einen – Tag unter seine Fittiche genommen.

Es ist 9 Uhr, die Sonne scheint, Möwen schwimmen auf dem Wasser. Nein, kein Morgen am Weserstrand. Die Möwen schwimmen auf dem Wasser des Belebungs- und des Nachklärbeckens. Und schon sind wir mitten in der Materie. Robert Kuck macht mit mir einen Kontrollgang. Er erläutert bei dem Rundgang die Funktion der Kläranlage – ich darf Wasserproben aus den Becken nehmen. Doch zunächst folgen wir dem Lauf des Wassers.

Es geht zur ersten Station für das Abwasser aller Braker Haushalte: Die Rechenanlage „siebt“ mechanisch das Abwasser durch – Grobstoffe werden aus dem Wasser geharkt. „Auf diese erste Stufe könnte man fast verzichten, wenn in den Toiletten nur das landet, was da rein gehört“, sagt Kuck und ich sehe nicht nur Pflaster oder eine Gewürzgurke . . .

Danach läuft das Wasser durch den Sandfang. Mineralische Inhaltsstoffe (wie etwa Sand) und die oben schwimmenden Fette werden herausgezogen. Das Herzstück ist das Belebungsbecken – hier werden Kohlenstoffverbindungen, Stickstoffe und Phosphate biologisch – also mit Hilfe vom Mikroorganismen – entfernt. Hier arbeiten Mikroorganismen mit Luftzufuhr (Nitrifikanten) und ohne Sauerstoff-Zufuhr, erklärt mir Kuck. Ich fühle mich an meinen Bio- und Chemie-Unterricht erinnert. „Aerob und anaerob.“ Ich gebe mein Bestes.

Es ist nicht viel. Das fällt mir beim Mikroskopieren auf. Ich brauche zunächst mehrere Minuten, bis ich das Mikroskop richtig eingestellt habe, dann sehe ich allerhand. Aber ob da auch Amöben, Rädertierchen und Glockentierchen im sogenannten Belebtschlamm schwimmen? Doch ich bin keine ausgebildete Fachkraft für Abwassertechnik und überlasse die Analyse Robert Kuck und Laboren, die darauf spezialisiert sind. Eines steht fest: Die Arbeit in einer Kläranlage ist komplexer als ich angenommen hatte. Als ich mich auf den Weg zum Auto mache, klingt mir noch ein Satz von meinem Lehrmeister der vergangenen fünf Stunden im Ohr: „Man muss hier hören, sehen und nicht schmecken.“

Riecht es? Nein, es riecht nicht.

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