Brake Das Lachen ist Michael Jürgens längst vergangen. „Ich habe einfach keine Lust mehr“, stöhnt der Betreiber des Harrier Hofs. Das Wasser steht dem Gastronomen sprichwörtlich bis zum Hals. Als Michael Jürgens im Gespräch mit der NWZ aufzählt, wie und wodurch ihm derzeit wichtige Einnahmen verloren gehen, ploppt auf dem Smartphone eine Meldung auf, dass in Niedersachsen Restaurants, Cafés und Co. ab Samstag, 18 Uhr, schließen. Bringdienste und Außer-Haus-Verkäufe von Speisen bleiben hingegen erlaubt.

Das Verständnis für diese neue Maßnahme ist gering. „Restaurants zu schließen, aber im Gegenzug keine Ausgangssperren zu verhängen, ist völliger Schwachsinn“, schimpft Michael Jürgens. Wenn überhaupt, sollte sowas städtebezogen passieren – nicht landesweit.

Neben den Stammtischen fallen derzeit besonders die nicht belegten Hotelzimmer ins Gewicht. Rechnen möge er nicht mehr. „Ich versuche alles, um den Laden am laufen zu halten“, konstatiert Michael Jürgens. Da er nun nicht mehr öffnet, wird er seinen Lieferservice täglich bereits ab 9 Uhr morgens bis 22 Uhr anbieten. „Ich muss meine Angestellten ja beschäftigen.“ Genug Geld bringe das bei weitem nicht.

Noch glaubt Michael Jürgens jedenfalls nicht daran, dass der Betrieb am 20. April wieder normal überall anläuft. Wirksame Finanzhilfen des Staates, die auch rechtzeitig eintreffen, erwartet der Braker ebenfalls nicht.

Als konsequent bezeichnet dagegen Anja Wiechmann, Dehoga-Kreisvorsitzende in der Wesermarsch, die neuen Maßnahmen. Gemeinsam mit ihrem Mann Holger Wiechmann betreibt sie das Weserhotel an der Braker Kaje. Trotz der massiven Folgen für Gastronomen: „Wir müssen alle Verständnis dafür haben, um die Krise zu bewältigen“, findet Anja Wiechmann. „Man muss den konsequenten Schritt gehen, sonst begreifen die Leute es nicht.“

Das Ehepaar hat den Hotel- und Restaurantbetrieb an der Kaje bereits am Donnerstag komplett eingestellt. Schon vor der neuesten Einschränkung habe sich das Weitermachen für sie nicht gelohnt. Um die Schließung ihrer Betriebe zu überstehen, sollten sich Gastronomen unbedingt den Verbänden anschließen und dort nach Unterstützung suchen, fordert die Dehoga-Vorsitzende: „Sie müssen sich bemerkbar machen.“

Jana Wollenberg Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Niklas Grönitz Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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