Hamburg Bei ihrem Comeback nach knapp einjähriger Pause hatte Boxweltmeisterin Susi Kentikian Probleme. Der Punktsieg der Hamburgerin in der Nacht zum Samstag über die Mexikanerin Susana Cruz Perez fiel zwar einstimmig aus (97:94, 98:92, 97:93), überzeugend war der Auftritt aber nicht. Die knapp 2500 Zuschauer in der Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg sahen ein spannendes Duell, in dem Kentikian phasenweise die Linie verlor. „Die Mexikanerin war zäh. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so nach vorn marschieren würde“, gestand die 28 Jahre alte Siegerin.

Neben der erfolgreichen Verteidigung des WBA-Titels im Fliegengewicht sicherte sich Kentikian auch noch den WIBF-Titel in dieser Kategorie, den sie zwischen 2007 und 2012 schon einmal besessen hatte. Ihre Vorgängerin Regina Halmich saß am Ring und attestierte Kentikian eine starke kämpferische Leistung. „Aber sie ist noch nicht in ihrer alten Form“, meinte die Karlsruherin. „Sie hatte eine enorme Last zu tragen.“

Gemeint ist Kentikians Wechsel in die unternehmerische Selbstständigkeit. Seit sich die gebürtige Armenierin aus dem Boxstall von Felix Sturm verabschiedet hat, ist sie Boxerin und Promoterin in Doppelfunktion. „Die Vorbereitung war nicht so, wie sie hätte sein sollen“, gestand die 1,55 Meter große Athletin. Als Promoterin musste sie die Veranstaltung mit neun Kämpfen im Vorprogramm selbst organisieren. Da blieb für den eigenen Feinschliff wenig Zeit. „Beim nächsten Mal mache ich es viel besser“, meinte sie.

Die Hamburgerin wurde von der unentwegt angreifenden Mexikanerin häufig in den Nahkampf gezwungen. Mitunter ließ sie sich auf eine wilde Keilerei ein, worüber die Trainer Frank Rieth und Artur Grigorian in ihrer Ecke stöhnten. „Sie hat gefightet wie eine Kriegerin. Da musste ich mithauen“, erklärte Kentikian.

Von der zweiten Runde an plagte sich die Deutsche mit einem Cut am rechten Auge herum. Bisweilen musste der Kampf unterbrochen werden, damit der Ringarzt die Blutung stoppen konnte. „Das war ein Kopfstoß. Das passiert nun mal“, betonte die in 38 Profikämpfen 35-mal siegreiche Boxerin. Ihren nächsten Kampf will sie noch in diesem Jahr organisieren. Das ist die Lehre aus der nächtlichen Schwerstarbeit. Kentikian: „Ich möchte keine lange Pause mehr. Das tut mir nicht gut.“

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