BöSEL Die CDU war gut vorbereitet und vertreten, um ihren Kandidaten Block zu unterstützen. Nicht alle Beiträge fanden Beifall im Saale.

von Thomas Haselier BÖSEL - Man habe den Eindruck, dass nach der seltenen Gattung „Eier legende Wollmilchsau“ gesucht werde – so umschrieb Moderator Julius Höffmann das Bewerberprofil für den neuen Bürgermeister von Bösel, der am 12. März gewählt werden soll. Der Journalist versuchte am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion mit den drei – inzwischen auch offiziell zugelassenen – Kandidaten im voll besetzten Forum der Haupt- und Realschule Bösel, Fragen und Antworten in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wer am Ende die Veranstaltung als moralischer Sieger verließ, ist offen, völlig überzeugt habe keiner der Bewerber, so ein unbefangener Beobachter nach der Podiumsdiskussion, die nicht immer ganz fair verlief. Die CDU hatte sich gut vorbereitet, um ihren Kandidaten Hermann Block gut dastehen zu lassen. Für eine Attacke des CDU-Ratsfraktionsvorsitzenden Gerd Raker auf Einzelbewerber Martin Brinkmann gab es sogar Pfiffe aus dem Plenum. Raker hatte dem Verwaltungsmitarbeiter Brinkmann frühere gesundheitliche Probleme vorgehalten und unterstellt, er sei nicht fit genug für das Bürgermeisteramt.

Verstärkter Angriffe der CDU-Macht im Saale musste sich auch Olaf Müller erwehren. Der Einzelbewerber und Kandidat der Wählergruppe „Zukunft Bösel/Petersdorf“ musste sich mit dem von Raker und dessen Stellvertreter im Rat, Reinhard Lanfer, süffisant vorgetragenen Makel der Unerfahrenheit in Verwaltungsangelegenheiten herumschlagen. Zwar wies Müller auf die gut funktionierende Verwaltung mit der stellvertretenden Gemeindedirektorin Annegret Brunemund-Rumker an der Spitze hin, doch er verpasste die Gelegenheit, Rakers Behauptung als unzulässigen Vergleich zurückzuweisen, wonach eine Wahl Müllers wegen einer dann notwendigen Einstellung einer Verwaltungsfachkraft zusätzlich 50 000 Euro im Jahr kosten würde, was in etwa dem Schuldendienst für den Bau einer Sporthalle entspreche.

Solche „Steilvorlagen“ nahm CDU-Kandidat Block nur zu gerne auf. Er wies auf seine Verwaltungskompetenz hin, die er gerade in Bad Zwischenahn als Amtsleiter stets nachweise. Doch auch Block kam nicht ungeschoren davon. Wie’s genau mit seinem „Bürgermeisterdesaster“ vor sechs Jahren in Twistringen gewesen sei, fragte ein Zuhörer aus dem Plenum, um dann aus einem Zeitungsbericht zu zitieren, in dem Block erklärt habe, das Amt eines Bürgermeisters sei nichts für ihn. Hermann Block ging erneut inhaltlich darauf nicht ein, sondern wies darauf hin, dass nun in Bösel alles ganz anders sei, weil er ja hier gut aufgenommen werde.

Alle drei Kandidaten machten mehr oder minder überzeugend klar, dass sie alles für die Böseler Bürger tun wollen, wenn sie gewählt werden. Alle drei wollen günstiges Bauland für Gewerbe und Familien vorhalten, alle drei wollen die Wirtschaft fördern und so für mehr Arbeitsplätze sorgen, und alle drei wollen – mal mehr, mal weniger – die Vereine unterstützen und ehrenamtliche Arbeit fördern.

Bis zur Wahl sind es noch mehr als vier Wochen. Insofern war die Podiumsdiskussion vielleicht ein bisschen zu früh, um nachhaltige Wirkung auf den Wahlausgang zu entfalten, so war am Rande der Veranstaltung zu hören, als es um die Chancen der drei Bewerber ging. Die Wahrscheinlichkeit, dass es wohl doch einen zweiten Wahlgang am 26. März geben muss, hat sich nach dieser Veranstaltung nicht verringert.

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