BOCKHORN Vielerorts gab es vorgezogene Silvesterstimmung. Aber die Rohrkrepierer waren nicht zu überhören.

Von Kai Hippen BOCKHORN - Das Jahr 2006 ist in der Gemeinde Bockhorn mit einer bunten Feuerwerks-Sammlung zu vergleichen. Gleich am Anfang erwiesen sich die Steinhauser Gedenkmünzen des Bürgervereins als echte Knaller, bis heute sind sie heiß begehrt. Der Gemeinderat brannte dagegen ein eher müdes Tischfeuerwerk ab, er musste für 2006 ein hohes Haushaltsdefizit beschließen. Richtige Silvesterstimmung kam da schon in Bredehorn, Moorwinkelsdamm und Grabstede auf dank der Freude über die guten Plätze unter Frieslands schönsten Dörfern.

Als Dauerbrenner erwiesen sich 2006 diverse Vereine, Clubs und Unternehmen, so das Schuhhaus Seghorn (160 Jahre), die Landschlachterei Johann Bruns (125 Jahre), die Textilhäuser Wölbern (115 Jahre), der Gesangverein „Blüh auf Steinhausen“ mit seinem 110. Stiftungsfest, der Kegelclub „Fidele Brüder“ (der kegelt seit 100 Jahren), die Ortsgruppe Bockhorn des VdK (60 Jahre), die Friedhofsgemeinschaft Bredehorn-Moorwinkelsdamm (50 Jahre), Marianne Thal (50 Jahre Verkäuferin bei Wölbern), Erich Theilsiefje (40 Jahre Bezirksvorsteher in Bockhornerfeld), Dagmar Terörde (leitet seit 25 Jahren den Katholischen Kindergarten), der Reitclub Friesische Wehde (25 Jahre), der Rentnerclub Bockhornerfeld (zehn Jahre), die Klöppelrunde von Helga Nitschke (100. Treffen in Osterforde). Der Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) ächtete den seelenlosen Umgang mit Tieren, versprach Vegetariern längeres Leben, warnte vor der drohenden Pandemie der Fettleibigkeit und tanzte

mit der Königin Natur (Permakultur).

Richtig Zunder gaben die SPD (neuer Vorsitzender Johann Helmerichs), die CDU (an der Spitze jetzt Thorsten Krettek) und die Dorfgemeinschaft Grabstede (nun angeführt von Helmut Tetz). Jutta Welchert und Helmut Welp zündeten eine Konfetti-Fontäne (sie spendeten 7500 Euro für die Bürgerstiftung Varel-Friesische Wehde).

Der junge Judo-Sportler Alexej Liebenthal aus Steinhausen ließ es auf der Matte krachen, er kam bei norddeutschen Meisterschaften ganz weit nach vorn. Mit wahrem Können knallte Heike Ralle, sie wurde Deutsche Meisterin im Gewehrschießen. Einen mächtigen Böller feuerten „de Jungs“ aus Bockhorn ab, die Landwirte bauten für eine Million Euro einen Kuhstall. Ein Feuerwerk der Gefühle erlebte Erika Sollermann, sie stand mit Bernhard Brink auf der Bühne.

Geknallt hat es auch in Bredehorn, die Bürger wehren sich gegen den Bau der Autobahn 22 vor ihren Haustüren. Geradezu sprühend vor Ideen - wie Weihnachtskerzen - zeigten sich acht Nachwuchsautoren im „kuhbunten Team“. Die DLRG brennt ihr Ideen-Feuerwerk gerade ab, beim Bau einer Mehrzweckhalle. Das Licht scheint langsam in den Kindergärten auszugehen, erste Gruppen müssen mangels Nachschub geschlossen werden. Auch der dienstälteste Hausmeister Frieslands machte zum letzten mal in der Grundschule Grabstede das Licht aus, Alfred Backermann ging in den Ruhestand.

Halbe Rohrkrepierer waren der Plan zum Ausbau des Oldtimermarkt-Geländes, der Radweg an der Mühlenstraße, die Hysterie um Vogelgrippe in Steinhausen nach dem Fund eines toten Schwans, die Dorferneuerung im Bockhorner Ortszentrum (das Geld vom Land kam nicht), der Klärwerks-Streit mit Varel (eine Klage steht bevor) und der Plan der Bundeswehr, auf dem Klosterhof zu Lindern einen Sendemast zu errichten (das Riesengefährt versank fast im Moorgrund).

Ganz neu im Bockhorner Raketen-Sortiment sind die „Bürger für Bürger“, die bei der Kommunalwahl mit zwei Leuten in den Rat einzogen und einen Konfetti-Regen der konstruktiven Kritik zumindest versprechen. Dafür zündete die UWG nicht richtig (viele Sitze verloren), SPD und FDP holten neue Raketen ins Team, die CDU hielt den Bestand zusammen.

Der Ausblick auf 2007? Nichts ist ruhend im Weltall, so mancher „Höllenzauber“ ist jetzt schon vorhersehbar, mit „Knatter-Blitzen“ und „China-Knallern“. Aber wie sagt Bürgermeister Ewald Spiekermann: „Wir haben fast 365 ernste und erfreuliche Tage hinter uns, wir haben 365 Tage vor uns. Verständnis füreinander ist der Schlüssel zum Erfolg des kommenden Jahres. Denn wir sind aufeinander angewiesen im politischen, privaten und gesellschaftlichen Bereich.“

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