Wilhelmshaven Die Wasserschutzpolizei hat am Donnerstagmorgen die Suche nach dem abgestürzten Leichtflugzeug wieder aufgenommen. Nach dem Fund von Wrackteilen vor Tossens sei das Suchmuster angepasst worden, hieß es. „Wir unternehmen größte Anstrengungen, die Vermissten und das Wrack möglicht schnell zu finden“, so der Pressesprecher.

Die Entwicklungen im Überblick:

Der aktuelle Stand: Mittwoch, 22. Mai – Dritter Tag der Suche

Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs über der Nordsee sind die Insassen und das Hauptwrack noch immer nicht entdeckt worden. An diesem Mittwoch wurde die Suche mit Peilboot und Polizeihubschrauber fortgesetzt. Bei dem rund einstündigen Flug über das mögliche Absturzgebiet „konnten keine ergänzenden Feststellungen getroffen werden“, heißt es von der Polizei Wilhelmshaven.

Obwohl auch am Mittwoch bei Tossens zahlreiche Wrackteile entdeckt und gesammelt wurden, fehlt nach wie vor das Hauptwrack. Da durch die Funde bei Tossens sich das mögliche Absturzgebiet vergrößert hat, wird die Suche neu koordiniert. Die Gespräche darüber laufen am Mittwochabend, wie ein Sprecher der jetzt zuständigen Wasserschutzpolizei Oldenburg der NWZ auf Nachfrage mitteilte. Entgegen anders lautender Gerüchte betonte der Sprecher, dass die Suche nicht eingestellt wurde, sondern weiterläuft.

Polizei bittet um Hinweise

Personen, die am Sonntag in der Zeit von 18.20 bis 19.30 Uhr im Bereich Tossens ein Flugzeug gehört oder gesehen haben bzw. anderweitige sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit der Polizei unter der Rufnummer 04421/9420 in Verbindung zu setzen.

Was seit Sonntag geschehen ist

Sonntag, 19. Mai – Start ab Wangerooge

Der Flugverlauf (Grafik: Pinzke/Stepmap)

18.20 Uhr: Das gecharterte Leichtflugzeug vom Typ Cirrus SR 20 startet am Flugplatz Wangerooge. An Bord der viersitzigen Maschine: Ein 44-Jähriger als Pilot sowie ein 49-Jähriger als Passagier. Beide stammen laut Polizei aus dem Raum Hannover. Der Start ist erfolgreich, doch nach nur ungefähr sieben Minuten Flugzeit bricht der Kontakt zur Maschine ab. Laut Flugradar befand sich die Cirrus SR 20 zu diesem Zeitpunkt über dem Wattenmeer, östlich von Hooksiel auf einer Höhe von rund 500 Meter. Die Geschwindigkeit betrug etwa 260 km/h. (Zum Flugverlauf bei Flightradar24) Möglicherweise ist das Flugzeug mit den beiden Männern im schweren Gewitter, das am Sonntagabend tobte, abgestürzt.

Die Entwicklungen am Montag, 20. Mai – Erster Tag der Suche

Entdeckt worden war der Flugzeugabsturz am Montagmittag. Ein Mitarbeiter einer Firma war in einem Begleitboot (Makerboot) südlich vom Container-Terminal, in der Nähe der Niedersachsenbrücke auf See unterwegs und entdeckte ein Wrackteil.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die Polizei, die Wasserschutzpolizei, Freiwillige und Berufs-Feuerwehren, die DLRG, das Wasserschifffahrtsamt und die Marine samt Hubschrauber starten eine große Suchaktion an Land und im Wasser, bei der im Bereich zwischen Schillig und Rüstersiel zahlreiche Wrackteile entdeckt werden. Zu diesem Zeitpunkt ist noch unklar, ob sich neben dem Piloten noch weitere Personen an Bord befunden haben.

Die Besatzung eines Marinehubschraubers findet am Montagabend in der Nordsee die Pilotentasche des 44-Jährigen mit persönlichen Gegenständen.

Auf dem Heimatflugplatz des Kleinflugzeugs bei Hannover herrschen Trauer und Entsetzen. Der Flieger gehört einer gewerblichen Flugschule. Der Pilot war Mitglied des dortigen Flugclubs. Er habe die Cirrus SR 20 schon häufiger geflogen, hieß es dort. Er war am Sonntagmorgen zu einem Tagesflug von Hannover nach Leer und dann weiter nach Wangerooge gestartet.

Im Außenhafen Hooksiel wird eine Sammelstelle eingerichtet, in der die Wrackteile näher untersucht werden. Das Luftfahrtbundesamt und die Bundesstelle für Flugunfälle sind mit Experten vor Ort.

Aufgrund aufziehenden Seenebels und stark eingeschränkter Sicht muss die Suche am am Montagabend gegen 20.30 Uhr zunächst eingestellt werden.

Die Entwicklungen am Dienstag, 21. Mai – Zweiter Tag der Suche

Am Dienstagmorgen wird gemeldet, dass das Hauptwrack gefunden worden sei. Dies entpuppt sich aber als Fehlmeldung.

Die Suche wird um 7 Uhr wieder aufgenommen. Nebel und Regen beschränkten die Sichtweite auf nur 50 Meter. Die Suche aus der Luft ist zunächst gar nicht möglich.

Boote der Wasserschutzpolizei sowie das Peilschiff „Jade“ fahren den Bereich des Flugkorridors ab, um weitere Wrackteile oder die Insassen des Flugzeugs zu entdecken. Mittlerweile geht man davon aus, dass sich neben dem 44-jährigen Piloten noch ein 49 Jahre alter Passagier mit an Bord befand.

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In der stündlichen Lagemeldung von Jade-Traffic wurde zudem die Schifffahrt darum gebeten, nach Wrackteilen Ausschau zu halten und Funde der Verkehrszentrale zu melden.

Am Dienstagmittag entdecken zwei Wattführer an der Wasserkante vor Tossens ebenfalls Wrackteile. Die Suche wird daraufhin auf die östliche Jade ausgeweitet. Nach Besserung des Wetters kommt auch ein Hubschrauber zum Einsatz, der den erweiterten Flugkorridor absucht. Dort sei dann ein Transpondersignal empfangen worden, das vom vermissten Flugzeug stammen könnte.

Das Leichtflugzeug Cirrus SR 20

Die Cirrus SR 20 ist ein einmotoriges Leichtflugzeug. Der Tiefdecker aus Verbundwerkstoff wird seit 1999 produziert und bietet Platz für vier Personen inklusive Pilot.

Eine Cirrus SR20 (Bild: Clément Gruin (Wikimedia, CC-BY-SA 4.0))

Die SR 20 verfügt über eine vollständige digitale Avionik. Zur Ausstattung gehört auch ein Fallschirm, der im Notfall entfaltet werden kann, um das Flugzeug sicher zu Boden zu bringen. Die Maschine wird unter anderem auch bei der französischen Luftwaffe und bei der Lufthansa in Arizona zu Trainingszwecken eingesetzt.

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