Verden In einem alten, besonders schweren Fall sexueller Gewalt gegen Frauen rollt das Landgericht im niedersächsischen Verden seit Mittwoch die Vorgeschichte auf. Zwei Männer im Alter von 53 und 66 Jahren sind wegen schwerer Vergewaltigung, Geiselnahme und Menschenhandels angeklagt. Sie sollen im Februar 2006 in einem Haus in Garlstedt nahe Bremen eine junge Frau über mehrere Tage festgehalten und gequält haben. (Az.: 3 KLs 201/19)

Zum Prozessbeginn verdeckten die Männer im Gerichtssaal die Gesichter hinter Zeitschriften. Sie sind bereits wegen ähnlicher Fälle, die im Spätsommer 2006 folgten, zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Ihr erstes Opfer war nach Angaben ihrer Anwältin Nicole Thiele eine damals 18-jährige Schülerin. Die Angeklagten lockten die junge Frau aus der Region Hannover mit einem Jobangebot. Als sie zu dem Vorstellungstermin kam, überwältigte sie der jüngere Angeklagte. Er habe die Frau mit dem Tod oder dem Verkauf in die Zwangsprostitution bedroht, sagte Staatsanwältin Kristina Hillebrecht bei der Verlesung der Anklage.

Der Mann habe sein Opfer mehrmals vergewaltigt, es an einer Hundeleine geführt und gezwungen, aus einem Hundenapf zu essen. Der ältere Angeklagte habe sein Haus zur Verfügung gestellt und auf Einkünfte aus der Prostitution gehofft.

Ihre Mandantin sei durch das Geschehen schwer traumatisiert, sagte Thiele. „Sie ist psychisch derart geschädigt, dass sie nichts mehr tun kann.“ Die junge Frau wurde damals nur freigelassen, weil ihr Großvater sie vermisste und mehrfach auf ihrem Handy anrief. Die Entführer fürchteten, die Polizei könnte sie entdecken.

Mit Job- oder Wohnungsangeboten entführten die beiden Deutschen dann vom August bis Oktober 2006 drei weitere Frauen. Sie bedrohten sie, misshandelten sie sexuell und zwangen eine von ihnen zur Prostitution. Dabei setzte der Haupttäter Handschellen, Hundeleinen und einen Hundekäfig ein. Die Tortur endete erst, als ein Opfer auf das Dach des Hauses flüchten und Hilfe rufen konnte.

Wegen der Taten wurden die Männer bereits 2008 in Verden verurteilt. Gegen den jüngeren Täter wurden 14 Jahre Gefängnis und anschließende Sicherungsverwahrung verhängt. Sachverständige stellten bei ihm eine sexuell-sadistische Persönlichkeitsstörung fest. Der ältere Täter wurde zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er kam nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe auf Bewährung frei.

Die Kammer verlas am Mittwoch in Länge dieses frühere Urteil. Es sei möglich, dass alle vier Fälle zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen werden, sagte der Vorsitzende Richter Lars Engelke. In dem Urteil ist an drei Stellen auch die Schülerin erwähnt - der ältere Angeklagte hatte in seiner Aussage auf sie hingewiesen. Das Gericht hatte aber damals keine Hinweise, dass diese Angaben korrekt seien.

Die jetzige Nebenklägerin habe schon in Berichten über den Prozess 2008 ihre Peiniger wiedererkannt, sagte Rechtsanwältin Thiele. Der Frau sei aber damals erklärt worden, dass es für eine Anzeige zu spät sei. Erst 2015 habe sie mit Unterstützung der Opferhilfsorganisation Weißer Ring den Mut gefunden, die Männer anzuzeigen.

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