Varel /Friedrichsfehn Sturmtief „Sebastian“ ist mit schweren Böen in Orkanstärke am Mittwoch über Niedersachsen und Bremen gezogen. Über der Nordsee wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern erwartet. Besonders betroffen waren die nördlichen Gebiete Niedersachsens und Bremen. In der Küstenregion gab es gewaltige Böen, wie Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst sagte. Die Unwetterwarnung für die Region galt zunächst bis 20 Uhr.

Die Nordwest-Bahn hatte den Verkehr am Mittwochnachmittag auf allen vier Linien bis auf Weiteres eingestellt. Ein abgebrochener Ast eines Baumes hatte bereits zuvor den Zugverkehr auf der Bahnstrecke Varel-Sande lahmgelegt. Das Baumteil war in Höhe von Dangastermoor bei Varel (Landkreis Friesland) aufgrund des Sturmes auf die Lärmschutzwand gefallen und blockierte damit auch das Gleis. Die heranfahrende Nordwest-Bahn musste eine Notbremsung auslösen, verletzt wurde dabei niemand.

Aktuelle Verkehrsentwicklungen bei der Nordwest-Bahn

Die Deutsche Bahn hatte den Zugverkehr auf den Strecken Bremen-Osnabrück und Bremen-Leer-Emden eingestellt, erst am späten Abend wurden diese Strecken nach und nach wieder befahren. Gegen 22 Uhr wurden auch die Verbindungen Oldenburg-Bremen und Oldenburg-Norddeich wieder freigegeben, teilte die Bahn mit. An gleich mehreren Stellen waren laut Auskunft von Bahnsprecher Meyer-Lovis Bäume aufs Gleisbett oder in Oberleitungen gestürzt.

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Grund- und Oberschule Friedrichsfehn

Mehrere Bäume sind auf dem Gelände der Grund- und Oberschule Friedrichsfehn (Gemeinde Edewecht, Kreis Ammerland) vom Sturm erfasst und umgeknickt worden, kurz nachdem die Schüler nach einer Pause wieder in die Klassenräume zurückgekehrt waren. Verletzt wurde niemand, die Bäume sollen nun vom Gelände entfernt werden. Einsatzkräfte der Feuerwehr haben weitere gefährdete Bäume im Bereich gefällt.

Weide kippt an Oberschule Berne auf Fahrradstand

Auch in Berne hielt eine große Weide dem Sturm nicht Stand und stürzte unmittelbar neben einen Fahrradstand. Auch hier wurde glücklicherweise niemand verletzt, das Dach des Unterstandes wurde allerdings beschädigt.

Baum fällt auf Haus in Friesoythe

Gegen 14 Uhr ist am Mittwoch ein Baum auf ein Wohnhaus an der Straße Alte Mühlenstraße in Friesoythe gekippt. Vor Ort mussten mehrere Feuerwehrmänner der Friesoyther Feuerwehr den Baum mit Motorsägen beseitigen.

670 Einsätze der Feuerwehr in Ostfriesland

In Ostfriesland waren die Feuerwehren besonders gefordert. Bis zum Nachmittag gab es 670 Einsätze, davon 400 im Zusammenhang mit dem Sturm. Die Zahl der Notrufe war nach Angaben der Regionalleitstelle viermal so hoch wie an normalen Tagen. Überwiegend ging es um Bäume, die auf Straßen oder Carports fielen.

Herausragende Einsätze waren die Versorgung von Reisenden eines Zuges bei Norden, der nach von Leitungsschäden stoppen musste. Außerdem wurden am Fähranleger in Norddeich rund 500 Reisende betreut, für die es mit der Fähre nicht zur Insel Norderney weiterging.

Bis zu sieben Meter hohe Wellen

Zwischen Wangerooge und Harlesiel fuhr am Morgen nur jeweils ein Schiff. „Alle anderen Fähren fallen aus“, teilte die Deutsche Bahn mit, die die Fährverbindung betreibt. Die Wetterlage werde weiter beobachtet, sagte ein Sprecher der Bahn. Der DWD erwartet bis zu sieben Meter hohe Wellen in der Deutschen Bucht.

„Wir werden so lange fahren, wie es möglich ist“, sagte eine Sprecherin der Reederei Norden-Frisia, die die Fährverbindungen nach Norderney und Juist betreibt. Ab Mittag könne es aber zu Ausfällen kommen, teilte die Reederei am Morgen vorsorglich mit.

Auch die Fährverbindung Hamburg-Helgoland über Cuxhaven fällt aus, wie der Betreiber bekanntgab. „Das Wetter ist zu extrem“, sagte eine Sprecherin.

Der Katamaran zwischen Emden und der Insel Borkum fährt am Mittwoch ebenfalls nicht, auch die frühe Überfahrt am Donnerstag um 7.15 Uhr wurde gestrichen. Die Schifffahrten nach Baltrum von Neßmersiel fallen nach derzeitiger Planung aber nicht aus.

Am Nachmittag besonders wichtig

Der erste Herbststurm werde recht kräftig, sagte ein DWD-Meteorologe am Morgen. Besonders windig werde es am Nachmittag, stellenweise könne es an der Nordseeküste auch gewittern. Weiter landeinwärts wehe der Wind etwas schwächer.

Das Abend-Hochwasser soll an der nordfriesischen Küste auf bis zu zwei Meter über dem mittleren Hochwasser steigen, im Elbgebiet sind eineinhalb Meter mehr zu erwarten.

Wegen der Wetterlage gibt es außerdem eine Planänderung bei der Filmfest-Eröffnung am Abend in Oldenburg.