Bremen „Der beste Tag in den vergangenen zwei Jahren war der Mittwoch, an dem die Richterin verkündet hat, dass der Prozess zu Ende geht“, sagt Hans Eulenbruch, früherer Geschäftsführer des Textilhauses „Harms am Wall“, das im Mai 2015 durch vorsätzliche Brandstiftung zerstört wurde. Das ist jetzt drei Wochen her. Zwei Tage später, Ende März, fiel das Urteil: Freispruch für ihn und den Mitangeklagten. Für Eulenbruch beginnt nun die Phase der Aufarbeitung. Der Blick des 64-Jährigen richtet sich aber auch nach vorn: Er will Harms in alter Größe wieder aufbauen und sucht geeignete Räume.

Dem 64-Jährigen ist anzumerken, wie sehr ihn das alles noch mitnimmt. Die vergangenen zwei Jahre haben sein Leben und das seiner Familie völlig verändert. Warum war nicht der Freispruch bedeutender als die Ankündigung des Prozessendes? Nun, sagt er, zum einen sei er stets von seinem Freispruch überzeugt gewesen. „Ich bin unschuldig“, betont er. Und ist sein Vertrauen in Polizei und Staatsanwaltschaft „stark erschüttert“, so glaubt er fest an die Gerichtsbarkeit.

Und zweitens? Nach dem Urteil kam der Zusammenbruch. Fast zwei Jahre lang hatte sich Eulenbruch gegen Vorwürfe der Ermittler gewehrt, hatte sich in Untersuchungshaft (U-Haft) von Mitte Dezember 2015 bis Mitte Mai 2016 und danach durch mehr als 10 000 Seiten in Prozessakten gearbeitet. Ständig stand der 64-Jährige „unter Strom“, war hellwach. Nach dem Urteil, dem Freispruch, fiel er in ein ganz tiefes Loch – für Therapeuten alles andere als überraschend, die Dauer-Anspannung fällt weg, damit das Adrenalin.

Eine Woche hielt dieser Zustand an, seitdem kämpft sich Eulenbruch Stück für Stück wieder nach oben. Dass er dafür therapeutische Hilfe braucht, verschweigt er nicht. Er weiß mittlerweile auch, dass erst jetzt, nach dem Urteil, die Aufarbeitung der Leidenszeit beginnen kann.

Viele Monate, in denen Eulenbruch ebenso wie der zweite Angeklagte der schweren Brandstiftung, versuchten Versicherungsbetrugs und Vortäuschens einer Straftat beschuldigt wurde – wie übersteht man das? „Man funktioniert, auch im Knast“, sagt der Geschäftsmann und kommt auf die Prozessakten zurück: „Davon kenne ich jede Seite.“ Er beklagt „einseitige, schlampige Ermittlungen, die Unterschlagung von entlastendem Material, manipulierte Zeugenaussagen“ und Spuren, denen nicht nachgegangen worden sei. Sein großer Rückhalt: seine Familie, seine Nachbarn, seine Freunde, seine Geschäftspartner, die Handelskammer.

Mitte Juli 2015 hat Hans Eulenbruch nur wenige Schritte neben dem abgebrannten Harms-Gebäude, in dem er lediglich Mieter war, ein neues, kleines Geschäft aufgemacht, „eine Interimslösung“. Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger bescheinigte, dass „Harms am Wall“ ein finanziell gut laufendes Unternehmen war.

Inzwischen ist das Eigenheim belastet, die private Rentenvorsorge aufgelöst, Eulenbruch fast ruiniert. Der Freispruch ist rechtskräftig, gibt es nun die große Entschädigung? Der 64-Jährige mit Faible für Architektur und Jura lacht: „Die Versicherung, die ja die Ermittlungen gegen mich selbst initiiert hat, hat bisher nicht gezahlt.“

Es geht dabei um mehrere Millionen für Bestände, Einrichtung, Betriebsunterbrechung. Für die Haft gebe es als Entschädigung 25 Euro pro Tag, „abzüglich Verpflegung und Strom“, die Anwaltskosten würden nur in der Höhe eines Pflichtverteidigers übernommen. Seinen persönlichen Gesamtschaden schätzt der 64-Jährige auf mehrere Millionen, „selbst, wenn die Versicherung zahlt“.

Sein großes Ziel ist, Harms in der Innenstadt wieder aufzubauen.

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