Oldenburger Land /Elsfleth /Osnabrück Es ist ein Tag im Juni, als Einsatzkräfte der Polizei den Tresorraum der Sparkasse in Elsfleth (Kreis Wesermarsch) betreten. Sie haben es auf ein Mitglied einer international agierenden Betrügerbande abgesehen. Aus Rumänien ist der Mann angereist.

Als die Beamten zuschlagen, finden sie neben einem gefälschten italienischen Pass ein Päckchen mit zugeschnittenem Papier in der Größe von Geldscheinen bei ihm. Er wollte es gegen echte Geldscheine austauschen.

Bank war informiert

Nach NWZ -Recherchen waren die Bankmitarbeiter vor dem Zugriff von der Polizei informiert worden. Das Bandenmitglied und zwei weitere Komplizen sitzen in Untersuchungshaft. Sie sollen ihre Opfer mit Falschgeld betrogen haben. Die Verhaftung in Elsfleth ist ein Einsatz im Rahmen einer groß angelegten Operation, wie die Polizei jetzt mitteilte. Im September hatten Spezialkräfte in Berlin zwei Täter, Vater und Sohn, festgenommen. Unter verschiedenen Decknamen hatten die beiden Kontakte zwischen Opfern und Mittätern hergestellt.

Rund 250 Straftaten haben Zentrale Kriminalinspektion, Staatsanwaltschaft Osnabrück, Bundeskriminalamt und andere europäische Behörden jetzt aufgeklärt. Neun Tatverdächtige haben die Beamten in den vergangenen 13 Monaten ermittelt. Die europaweit agierende Bande hat mit ihren „Rip-Deal“ genannten Betrügereien einen Schaden von über 560 000 Euro angerichtet.

Und so funktioniert die Betrugsmasche: Die Täter, die sich vorrangig in Italien aufhalten, haben sich als reiche israelische Investoren ausgegeben, die ihr Vermögen unter anderem in deutsche Immobilien investieren wollten. Mit gefälschten Internetseiten, seriösem Auftreten und ausgefeilten Scheinidentitäten haben sie ihre Opfer getäuscht. Bei Treffen in Italien, meist in den nobelsten Häusern am Ort, trat das eigentliche Immobiliengeschäft dann jedoch zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen wurden nun Geldgeschäfte angeboten. Es sei kurzfristig notwendig, 500-Euro-Scheine in kleinere Scheine umzutauschen, erklärten sie ihren Opfern. Mit einer Bonuszahlung als Lockmittel köderten sie ihre Geschäftspartner, die sich schließlich auf das angebotene Devisen-Tauschgeschäft einließen. Bei den 500-Euro-Scheinen handelte es sich jedoch um plumpe Fälschungen mit einem Aufdruck „Fac simile“ (lateinisch: Mache es ähnlich). Häufig war nur der oberste Geldschein eines Bündels echt.

60 000 Euro im Koffer

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem ein Geschäftsmann aus der Grafschaft Bentheim auf der Suche nach einem Investor für eine neue Geschäftsidee nach Italien gelockt und dort Opfer des Rip-Deals wurde. Mit über 60 000 Euro im Koffer reiste der 43-Jährige nach Rom – in der Hoffnung, im Gegenzug für eine Zinszahlung eine hohe Summe als Kreditanzahlung zu erhalten. Tatsächlich erhielt er von den Tätern nur die wertlosen kopierten Euro-Scheine.

Allein in Niedersachsen sind nach Polizeiangaben 21 Opfer auf die Betrüger hereingefallen.

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Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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