Oldenburg /Wahnbek Der 23-Jährige, der im November 2017 bei Wahnbek bei einem Verkehrsunfall tödliche Verletzungen erlitt, hat kurz vor dem Unfall eine Polizeistreife genasführt. Das wurde in dem Strafprozess vor dem Oldenburger Landgericht deutlich, in dem zwei Polizisten wegen fahrlässiger Tötung angeklagt sind. Die Streife aus Rastede war zur Oldenburger Straße in Wahnbek gerufen worden, weil dort eine Person auf der Fahrbahn gesehen worden war. Am Freitag sagte einer der Streifenpolizisten aus, die nach Wahnbek gerufen worden war. Der 36-Jährige schilderte, wie er das spätere Unfallopfer angesprochen und auf den Gehweg hingewiesen hatte. Der Mann wollte erst in die Streife einsteigen. Er berichtete auch davon, dass seine Familie tot sei. Als der Beamte ihm die Richtung seiner Wohnung zeigte, setzte der Mann aber seinen Marsch teilweise auf der Fahrbahn und in falscher Richtung fort. Die Streife wendete und fuhr ihm hinterher, doch der Mann lief davon und war plötzlich verschwunden. Die Beamten suchten die Stelle ab und leuchteten sei auch aus, den Mann fanden sie nicht. Die Streife fuhr daraufhin in Richtung Oldenburg, wendete an der Stadtgrenze, weil es keine Beobachtungen gab. Auf der Rückfahrt Richtung Wahnbek sahen die Beamten dann ein Warnblinklicht. Es war die Unfallstelle, wo der 23-Jährige von einem Auto erfasst worden war.

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Aussagen musste auch die Fahrerin des Unfallautos. Die 30-Jährige aus dem Ammerland schilderte, wie eine Person wie aus dem Nichts erschien und rechts mit dem Auto kollidierte. Die Fahrerin und eine weitere Frau hatten den Mann aus dem Graben geborgen. Kurze Zeit später kamen Polizeiwagen und der Rettungsdienst. Das Strafverfahren gegen die 30-Jährige war vom Amtsgericht Westerstede gegen Zahlung einer Geldauflage von 1800 Euro eingestellt worden. Sie hätte in der Dunkelheit (es gab auch keine Straßenbeleuchtung) nicht mit der theoretisch zulässigen Höchstgeschwindigkeit (80 km/h) fahren dürfen, erläuterte Oberstaatsanwalt Dirk Bredemeier.

Umfangreiches Hintergrundstück: Darum müssen sich zwei Polizisten vor Gericht verantworten

In dem Verfahren sind die beiden 23 und 25 Jahre alten Polizisten wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Sie hatten einen Platzverweis gegen das spätere Unfallopfer durchsetzen sollen. Der 23-jährige Iraner hatte vor der Wache Wallstraße randaliert. Einem gegen ihn verhängten Platzverweis folgte er nicht. Darauf hin entschieden sich die Beamten, ihn zu seiner Wohnung in die Rennplatzstraße zu bringen. Der direkte Weg war wegen eines Brandes in der Nadorster/Wilhelmshavener Heerstraße versperrt. So nahmen sie einen Umweg über die A 293. In Etzhorn setzten sie den 23-Jährigen Mann aus und zeigten ihm die Richtung seiner Wohnung. Er marschierte aber in der Gegenrichtung – und auf der Fahrbahn. Warum sie den Mann am Stubbenweg aussetzten, darüber gibt es zwei Versionen. In einem Vermerk nach dem Einsatz hatten die Beamten geschrieben, sie seien zu einem weiteren Einsatz am Stau gerufen worden. Der Funkverkehr in der Unfallnacht stütze das nicht, betont Nebenklagevertreter Hans-Henning Adler. Per Funk hätten die Beamten ihre Absicht erklärt, dass sie zur Einsatzstelle am Stau fahren wollten, sagte Adler. Es habe aber keine Aufforderung dazu gegeben.

Der Prozess wird am Dienstag, 2. April, mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt (9 Uhr). Unter anderen soll der Hauptermittlungsbeamte aussagen, der den Hergang in der Tatnacht aufklären sollte. Für Donnerstag, 11. April, hat Vorsitzender Richter Horst Kießler einen Ortstermin angesetzt. Die Kammer und Prozessbeteiligten treffen sich auf dem Real-Parkplatz Stubbenweg (8.30 Uhr), um sich einen Eindruck von der Örtlichkeit zu machen. Dort hatten die Beamten den 23-Jährigen aus dem Streifenwagen gelassen.

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Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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