Oldenburg Ein Schreckensszenario: Am vergangenen Wochenende drohte in der Nacht von Samstag zu Sonntag ein Frachter zu sinken. Das Schiff hatte geschredderte Blei-Akkus aus Autobatterien an Bord. Wasser drang in das Schiffsinnere ein. Die Lage hat sich inzwischen stabilisiert, das Schiff ist „schwimmstabil“, heißt es.

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Dennoch stellen sich viele Fragen: Was für Frachter sind auf dem Küstenkanal zugelassen? Wer kontrolliert sie? Und was wird da durch die Region transportiert? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Die maximal zugelassenen Fahrzeuggrößen für den Küstenkanal sind gemäß Binnenschifffahrtsstraßenordnung (BinnenSchStrO) 100 Meter lang, 9,65 Meter breit und haben eine Abladetiefe je nach Wasserstand bis 2,50 Meter. „Die Fahrzeuge melden sich an den Schleusen an“, sagt Sebastian Frenzel, Leiter der Verkehrszentrale Bremen und stellvertretender Leiter des Nautischen Büros des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Bremen. Ab Oldenburg besteht auf der Hunte zudem eine Meldepflicht bei der Verkehrszentrale Bremen des WSA. Dazu werden die Schiffe von den Wasserschutzpolizeien des Landes kontrolliert.

3500 Fahrzeuge pro Jahr

Doch was wird über den Küstenkanal geschippert? „Es werden alle Arten von Stück- und Massengütern transportiert, wie zum Beispiel Kies, Sand, Heizöl, Kohle, Weizen, Maschinenteile und dergleichen“, sagt Frenzel. Jährlich werden etwa 1,5 bis zwei Millionen Tonnen an Gütern transportiert. Die Schleuse Oldenburg schleust im Mittel etwa 3500 Fahrzeuge pro Jahr. Dabei schwanken die Anteile der jeweiligen Ladungsarten einschließlich der Gefahrgüter teilweise erheblich. Aber: Insgesamt sei der Anteil von transportierten Gefahrgütern über den Küstenkanal sehr gering und betrage weniger als zehn Prozent der Ladungen, sagt Frenzel.

Die Wasserschutzpolizei

Zunächst einmal falle das Transportgut nicht in den Zuständigkeitsbereich der Wasserschutzpolizei, sagt Georg Tramontin, Pressesprecher der Wasserschutzpolizeiinspektion (WSPI) Oldenburg. Die Wasserschutzpolizei kontrolliere – ähnlich wie auch die normale Polizei bei der Kontrolle von Lkw –, ob alle Zeugnisse, Atteste und Ausrüstung mit an Bord seien. „Wir überprüfen zum Beispiel die Gültigkeitsdauer“, erklärt der Sprecher. Der TÜV laufe über die Zentrale Schiffsuntersuchungskommission (ZSUK) in Mainz.

Die Kontrollen finden anlassunabhängig und ohne ein bestimmtes Muster statt, sagt Tramontin.

Dabei gilt für den Transport von Gefahrgütern das Europäische Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen (ADN). „Für die Fahrt durch Oldenburg gibt es keine besonderen Gefahrgutvorschriften. Die Hunte ist eine Seeschifffahrtsstraße, auf der die Seeschifffahrtsstraßenordnung gilt“, so Frenzel. So gibt es etwa eine Festlegung, die eine Passage von Tankern nur zulässt, wenn eine Mindestsichtweite von 500 Meter vorhanden ist.

Und wohin werden die Ladungen gebracht? „Die Möglichkeiten sind – wenn man das Netz der Bundeswasserstraßen betrachtet – sehr vielfältig“, sagt Frenzel. Die Fahrzeuge laufen einerseits den Oldenburger Hafen an, können sich aber auch auf der Durchfahrt nach Westen Richtung Dortmund-Ems-Kanal oder auf der Durchfahrt nach Osten Richtung Hunte und Weser befinden und die dortigen Häfen anlaufen.

Einzelfallentscheidung

Und wenn es – wie am vergangenen Wochenende – zu einem Unfall kommt? „Das kommt auf den Einzelfall an“, sagt Frenzel. So kann das WSA Bremen beispielsweise Weiterfahrverbote aussprechen, bis sichergestellt ist, dass das Fahrzeug sicher weiter fahren kann. Der Schiffseigentümer ist dabei zunächst selbst verantwortlich, dass er sein Fahrzeug wieder in einen solchen Zustand bringt, dass er weiterfahren oder unter Auflagen des WSA Bremen die nächste Werft anlaufen kann. Je nach Art der Havarie sind üblicherweise die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die Wasserschutzpolizei, aber auch die Feuerwehren (Ölbekämpfung) und Landesbehörden vor Ort.

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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