OLDENBURG Viele Kinder suchen im Advent am Abendhimmel eine Leuchtspur vom Weihnachtsmann. Auch der kleine Louis blickt vorm Schlafengehen aus dem Fenster und hält Ausschau. Ausschau nach einem, der nie wiederkommen wird: sein Vater. Zum Trost winkt der Junge vom Arm der Mutter dem „Papa-Stern“ zu. Denn wie soll man einem Zweieinhalbjährigen erklären, dass der Papa nie wieder zurückkehren und ihn in den Arm nehmen wird? Ole Hemmen ist Louis’ Vater, mithin jener Mann, der am Sonnabend, 13. November, auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause mit dem Fahrrad nahe der Alten Molkerei verunglückte und erst Tage später gefunden wurde (NWZ  berichtete).

Freunde und Fremde suchten ihn tagelang. „Es tröstet noch heute, dass uns alle so unterstützt haben“, sagt Ole Hemmens Schwester Jennifer Janßen (31). Da waren die Taucher der Feuerwehr, die Suchhundestaffel, Hubschrauberpiloten, Johanniter und THW; sie alle hatten ihre Hilfe angeboten. Da waren auch jene, die die Flugblätter bei der Vermisstensuche verteilten und aushängten. „Viele Unbekannte haben uns tröstende Worte geschrieben“, berichtet sie mit Blick auf viele Briefe und Internetbotschaften. Allein auf 66 virtuellen Seiten auf www.NWZ trauer.de wurden mehr als 326 symbolische Kerzen entzündet.

Immer wieder liest auch Ole Hemmens Lebensgefährtin Lisa Wegener, was andere über ihren geliebten Freund und Vater ihres Kindes schreiben, so wie etwa Matthias im Kondolenzbuch: „Du bist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an Dich denkt....“

Sie denkt genau wie Oles Schwester Jennifer jeden Tag an den 28-Jährigen, der in Hildesheim studierte. Sie denken daran, wie beliebt er war, wie viele Freunde er hatte und wie gern er lebte.

Sie stellen sich immer wieder dieselbe Frage: Warum stürzte er mit seinem Fahrrad auf diesem Radweg? Er sei stocknüchtern gewesen, sagt Jennifer Janßen. Die Familie fühlt sich verletzt, wenn Menschen darüber spekulieren, dass Ole womöglich unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden haben könnte.

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Gemeinsam mit allen Freunden habe man eine Abschiedsparty gefeiert. „Das hätte Ole sich so gewünscht“, sagt seine große Schwester. Erst vergangene Woche sei die Urne in Petersfehn beigesetzt worden. Um der Kinder willen bemüht sich die Familie, nicht nur in Trauer zu versinken. Oles Nichte Carlotta ist zehn Monate alt, sein Sohn Louis zweieinhalb Jahre.

Die Familie, die in Petersfehn an der Wildenlohslinie wohnt, ist zusammengerückt: Lisa Wegener ist mit Louis direkt zu den Eltern Hemmens gezogen. Alle machen sich Sorgen um die Zukunft: Wie soll Louis’ Ausbildung finanziert werden? Freunde wollen eine Hilfsaktion anschieben und Paten suchen für den Jungen. Die 31-jährige Lisa Wegener lebt von Hartz IV, im Moment ist sie noch im Erziehungsurlaub. „Mein Bruder fehlt den beiden“, sagt Jennifer Janßen. Dem kleinen Louis bleibt nur der „Papa-Stern“ am Abendhimmel.

Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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