Oldenburger Land Gottes Segen schützt vor einem Bußgeld durch die Nordwest-Bahn nicht:

Diese Erwartung hatte Pfarrer Thomas Klammt (51) zwar auch nicht, dennoch hoffte der Geistliche auf ein Einsehen des Osnabrücker Bahnunternehmens. Seine Hoffnung war auch nicht ganz unberechtigt, denn völlig abgehetzt wendete sich der Urlauber aus Berlin, der die letzte Nordwest-Bahn in Esens (Kreis Wittmund) in allerletzter Sekunde erreichte, im Zug direkt an den Begleiter, um ein Ticket zu erwerben. Denn dafür blieb am Bahnsteig nun wahrlich keine Zeit mehr. Statt eines Tickets stellte der Zugbegleiter dem „Schwarzfahrer“ indes eine Zahlungsaufforderung über stolze 63,15 Euro aus.

So schildert Pastor Klammt die Lage aus seiner Sicht: „Ich war als Tourist auf dem Rückweg von der Insel Langeoog zu meinem Übernachtungsquartier in der Evangelischen Heimvolkshochschule in Rastede. Aus Ortsunkenntnis verließ ich den Bus von Bensersiel bereits am ZOB in Esens. Ich hatte nur noch etwas über zehn Minuten, um von dort rechtzeitig zum Bahnhof in Esens zu kommen und die wohl letzte Regionalbahn zu erreichen. Ich hetzte also durch Esens und kam gerade rechtzeitig vor der Abfahrt des Zuges am Bahnhof Esens an. Ich setzte mich erschöpft in das letzte Zugabteil und war froh, dass ich dort direkt den Zugbegleiter sah. Noch bevor der Zug losfuhr, fragte ich ihn, ob er mir gleich eine Fahrkarte verkaufen würde. Er wartete die Abfahrt des Zuges ab, stand auf und teilte mir mit, dass er mir nun ein Strafticket ausstellen müsse, weil ich ohne Fahrausweis im Zug sitze. Dass dies verboten sei, stehe deutlich am Eingang. Dass er damit sachlich recht hatte, bestreite ich nicht. Es war mir beim Einstieg in den Zug allerdings nicht bewusst. Dass ich nicht „schwarzfahren“ wollte, konnte er schon daran erkennen, dass ich ihn direkt angesprochen habe.“

Ob beabsichtigt oder nicht – für die Nordwest-Bahn (NWB) ist Pastor Klammt „schwarzgefahren“, und das Unternehmen bleibt bei seiner Forderung von 63,15 Euro. Auf Nachfrage der NWZ erläutert NWB-Sprecherin Stephanie Nölke: „Die Verantwortung über zeitliche Engpässe liegt nicht bei uns. Der Fahrgast muss dafür sorgen, dass er so rechtzeitig am Bahnsteig ist, dass er noch ein Ticket lösen kann.“

Einen „Notverkauf“ von Tickets im Zug gebe es nur in ganz wenigen Ausnahmefällen, etwa wenn der Fahrkartenautomat am Bahnsteig defekt sei. Überdies gebe es die Möglichkeit, im Vorfeld beispielsweise über das Smartphone ein Ticket zu lösen, heißt es von der NWB.

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Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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