Lohne /Hannover Massive Kritik an der Impfkampagne des Landes Niedersachsen übt der Landkreis Vechta. Mit dem verkorksten Start bei der Vergabe der Impftermine sei viel Vertrauen verspielt worden. „Wir haben angeboten, das vor Ort zu machen“, sagte Landrat Herbert Winkel am Freitag im Impfzentrum des Kreises in Lohne. Erster Kreisrat Hartmut Heinen monierte, dass das Land die Erfahrungen vor Ort nicht berücksichtige.

Impfstoff-Lieferung

Anfang nächster Woche bekommt der Kreis Vechta 1170 Impfdosen. 50 Prozent dafür müssen für den Start der Impfungen bei den über 80-Jährigen im Impfzentrum zurückgehalten werden. Es fehlten aber rund 1800 Dosen, um alle Personen im Kreis, die zur Priorität 1 zählen, darunter etwa 1000 Mitarbeiter in Kliniken und Rettungsdiensten, zu impfen, sagt Dr. Frank Hammersen, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums in Lohne.

Das Impfzentrum

Aufgrund seiner guten Lage an der Autobahn 1 wird das Impfzentrum in Lohne von Impfwilligen aus weiten Teilen der Region angewählt, wie aus den bereits vergebenen 564 Terminen hervorgeht. Nur 50 Prozent kommen aus dem Kreis Vechta; alle übrigen aus den Nachbarkreisen. Der Einzugsradius liege bei 250 000 Impfwilligen, also 500  000 Impfungen. Jedoch wird der Impfstoff nach Einwohnerzahl verteilt. Der Kreis Vechta fordert, dass der Einzugsradius der Impflinge bei der Verteilung berücksichtigt wird.

Die Krankenhäuser

Die Versorgung der Patienten ist prekär, sagt Dr. Tobias Hoge, Chefarzt der Inneren Medizin am St.-Elisabeth-Krankenhaus Damme. „Wenn wir so weitermachen, ist die Akut-Versorgung nicht mehr gewährleistet!“ Von den Beschäftigten auf Intensivstationen oder in Notaufnahmen, etwa 230 in Damme, könnten gerade einmal 70 Prozent geimpft werden. Auch die Rettungskräfte, die täglich mit Corona-Patienten zu tun haben, warten auf die Impfung. Der Kreis fordert daher, die Beschäftigten von Kliniken und Rettungsdiensten rasch zu impfen. „Die Versorgung der Kranken insgesamt steht auf dem Spiel“, so Landrat Winkel.

So geht es weiter

Der Kreis hat Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) über die dramatische Situation informiert. Der Brief wurde am Rande der Landtagssitzung übergeben. Grundsätzlich wollen die Kommunen stärker eingebunden werden, sagt Winkel. Das bisherige Verfahren des Landes sei wenig transparent, die Verteilung des Impfstoffs nicht gerecht.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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