Hannover Lehrer in Niedersachsen sind dem Landeskriminalamt (LKA) zufolge immer häufiger gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt. Im vergangenen Jahr wurden laut Kriminalitätsstatistik 362 Lehrer zum Opfer, wie das LKA mitteilte. In den beiden Jahren zuvor lag der Wert deutlich niedriger (2018: 322; 2017: 229). Etwa zwei Drittel der Lehrer wurden Opfer von Körperverletzung.

Der niedersächsische Lehrerverband VNL/VDR bestätigt diesen Eindruck. Es könne zwar sein, dass auch die Meldebereitschaft zugenommen habe, sagte der Vorsitzende Torsten Neumann. Aber auch das Klima sei rauer geworden, das zeigten auch Übergriffe auf Polizei und Rettungskräfte. Ein konsequentes Vorgehen sei deshalb wichtig.

Die Landeschefin der Gewerkschaft GEW, Laura Pooth, sieht in den Übergriffen ebenfalls ein gesellschaftliches Problem. „Noch kann nicht von einem Flächenbrand gesprochen werden, doch der Anstieg gibt Anlass zur Sorge“, sagte Pooth. „Extremer Leistungsdruck, soziale Ausgrenzung oder Armut können zu aggressivem Verhalten führen.“ Schwierig sei zudem, dass großen Klassen an den Schulen oft zu wenige Lehrkräfte gegenüberstünden. „Hier werden dringend Beschäftigte für Sozialarbeit und Schulpsychologie benötigt.“

Neumann nimmt dabei auch die Eltern in die Pflicht. Viele Schulen seien schon mit sozialen Projekten aktiv, könnten das Ruder aber nicht alleine rumreißen. „Das ist eine Sache, die betrifft uns alle. Da muss ein Umdenken in allen Köpfen passieren. Das kann die Schule nicht alleine kompensieren.“

Das Kultusministerium verurteilte die Straftaten gegen Lehrer scharf. „Jedes Delikt muss angezeigt, verfolgt und geahndet werden“, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Das Thema müsse „aus der Tabuzone“ geholt werden. „Wenn man von Gewalt gegen Rettungskräfte, Kommunalpolitiker und Lehrer hört, dann besteht die Sorge, dass grundsätzlich etwas ins Rutschen gekommen ist, was Respekt und die Akzeptanz von Regeln angeht.“ Eine breite gesellschaftliche Debatte sei dringend geboten, um gegensteuern zu können.

Lehrer, die Gewalt erfahren, hätten zudem zahlreiche Möglichkeiten, in der Schule Hilfe und Unterstützung zu erhalten. Im Ministerium befasse sich ein eigenes Referat mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.