Im Nordwesten Sie sind ein Ärgernis, und sie sind zugleich ein Dilemma: Fehlalarme. Tagtäglich werden in der Region Feuerwehrleute zu Einsätzen gerufen, die dann doch keine sind. Gerade im ländlichen Bereich sind die Feuerwehren oftmals freiwillig organisiert. Die Feuerwehrmänner und -frauen verlassen dann ihre Arbeitsplätze – und kommen unverrichteter Dinge zurück.

„Das steigert natürlich nicht gerade die Motivation unserer freiwilligen Helfer. Außerdem bekommen nicht wenige irgendwann Probleme mit ihren Arbeitgebern“, weiß Helmut Müller, Stadtbrandmeister in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg). Alleine in seinem Bezirk habe es in diesem Jahr weit über 30 Fehlalarme gegeben. Und am Dienstag um 5.15 Uhr ist die Feuerwehr auf Norderney zu einem Fehlalarm ausgerückt – der 36. in diesem Jahr.

„Wenn das mal vorkommt, drücken die Arbeitgeber ein Auge zu. Aber ab einer gewissen Häufung werden die Mitarbeiter dann schon mal angesprochen, auch wenn sie rein rechtlich für Feuerwehr-Einsätze von ihrem Dienst freigestellt werden müssen. Da überlegt sich mancher Helfer schon, ob er ausrückt – auch aus Sorge um den Arbeitsplatz“, schildert Stadtbrandmeister Müller die Situation.

„Eine Situation, die ein Dilemma ist“, sagt Hans Rüger, Geschäftsführer der Großleitstelle Oldenburger Land, in der alle Notrufe aus den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch sowie den Städten Delmenhorst und Oldenburg zentral auflaufen. „Wir wissen ja im Vorfeld nicht, ob es sich um einen Fehlalarm handelt und bekommen auch im Nachhinein keine Rückmeldung darüber. Für uns jedenfalls gibt es keine Alternative dazu, jeden Vorgang ernst zu nehmen und die Kameraden draußen zu alarmieren“, erläutert Rüger. Und Leitstellenleiter Frank Leenderts fügt hinzu: „Heutzutage sind immer mehr Betriebe mit Brandmeldeanlagen ausgestattet, Folglich nimmt auch die Zahl der Fehlalarme zu. Wenn aber irgendwann mal eine Rechnung der Ortswehr für den unnötigen Einsatz droht, überlegen sich Firmenchefs meist schon, ihre Anlagen vielleicht doch mal zu überprüfen.“

Bislang ist die Kritik von Arbeitgebern noch verhalten, tritt in Einzelfällen und Einzelgesprächen auf. Der Arbeitgeberverband Oldenburg berät seine Mitglieder in der Frage, inwieweit sie ihre Mitarbeiter für Einsätze bei Feuerwehren und anderen Hilfs- und Rettungsdiensten freistellen müssen. Bislang habe es aber in dieser Frage noch keine negative Rückkoppelung seitens der Arbeitgeber gegeben, sagt Irina Börchers, stellvertretende Leiterin des Bereiches Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmensberatung. Klagen von Arbeitgebern sind auch bei Hartmut Krause, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Oldenburg, bislang nicht aufgelaufen. „Aber Fehlalarme sind in jedem Fall ärgerlich und sollten auch im Sinne unserer Mitgliedsbetriebe, die Mitarbeiter dafür dann extra freistellen, vermieden werden“, meint Krause.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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