Im Nordwesten Ein betrunkener Lastwagenfahrer fährt am Neujahrsabend mit seinem 40-Tonner bei Stuhr (Landkreis Diepholz) falsch auf die Autobahn 1 Richtung Hamburg. Der betrunkene Sattelzugfahrer bemerkt seinen fatalen Fehler, versucht, seinen Lastwagen mitten auf der Autobahn zu wenden und verursacht damit einen Massenunfall, bei dem zwei Menschen sterben und zwei weitere verletzt werden.

1. Oktober 2013: Ein Geisterfahrer verursacht auf der Autobahn 7 nahe Garlstorf (Landkreis Harburg) einen Verkehrsunfall mit zwei Toten. Der Falschfahrer stößt in der Nacht mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen, beide Autofahrer sterben. Die Polizei geht von einem Suizid als Motiv für die Geisterfahrt aus. Falschfahrer verirren sich, sie verwechseln Auf- und Abfahrten oder wenden auf der Autobahn – manche wollen sich umbringen. Jedes Jahr sterben so rund 20 Menschen auf deutschen Straßen.

Fahrer erkennen Fehler

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn viele solcher Irrfahrten gehen glücklicherweise glimpflich aus. „Es kommt immer wieder vor, dass Verkehrsteilnehmer über Notruf Falschfahrer an die Polizei melden. In den meisten Fällen werden die gemeldeten Falschfahrer von den sofort eingesetzten Streifenbesatzungen nicht mehr angetroffen. Dies lässt den Schluss zu, dass die falsch fahrenden Fahrzeugführer bereits nach wenigen Metern ihren Irrtum bemerken und den für sie gesperrten Bereich verlassen haben“, sagt Stephan Klatte, Pressesprecher der Polizeidirektion Oldenburg, wo das Thema Falschfahrer eine wichtige Rolle spielt.

Laut Klatte war der schwere Unfall in Stuhr zu Jahresbeginn Anlass, die Polizeikommissariate im Bereich der Polizeidirektion Oldenburg dahingehend zu sensibilisieren, sämtliche Autobahnanschlüsse auf mögliche Gefahrenquellen zu überprüfen. Auffälligkeiten bei baulichen Einrichtungen beziehungsweise Beschilderungen seien bislang aber nicht festgestellt worden. „Die falsche Benutzung von Anschlussstellen durch einen Verkehrsteilnehmer beruht oftmals auf einem menschlichen Irrtum, der durch Veränderung der baulichen Begebenheiten nicht in letzter Konsequenz verhindert werden kann. Eine endgültige Sicherheit gibt es daher nicht“, meint Oberkommissar Stephan Klatte.

In Bayern warnen Tafeln

Und was ist mit Warntafeln? Nach dem Geisterfahrer-Unfall auf der A7 wartet Niedersachsen auf die Ergebnisse eines Pilotversuchs mit Falschfahrer-Warntafeln aus Bayern. „Bevor wir anfangen sollten, auch überall solche Schilder aufzustellen, werden wir erst die Erfahrungen aus Bayern abwarten“, sagte ein Sprecher des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums in Hannover nach dem fatalen Crash im Landkreis Harburg. Auch seitens der Polizeidirektion Oldenburg gibt man sich bei der Frage nach Falschfahrer-Warntafeln eher zurückhaltend. Eine Beteiligung an einem solchen Modellprojekt sei derzeit nicht geplant.

Meldung im Radio

Stattdessen setzt die Polizei vor Ort auf eine Kombination aus Vorbeugung und schnellem Eingreifen. „Erhält die Polizei über Notruf die Meldung über einen Falschfahrer, wird unverzüglich eine Verkehrswarnmeldung über die Radiosender veranlasst. Anhand einer Checkliste wird der Hinweisgeber zu den wichtigsten Informationen befragt, um Örtlichkeit, Fahrtrichtung und Fahrzeugtyp genau eingrenzen zu können. Die örtliche Polizeidienststelle entsendet zeitgleich Streifenwagen zur betroffenen Straße oder Autobahn, die versuchen, den gefährdeten Verkehr zu verlangsamen und den Falschfahrer aus dem Verkehr zu ziehen“, erläutert Klatte.

Und damit es gar nicht erst zu Falschfahrern komme, würden die Anschlussstellen im Rahmen des Streifendienstes überwacht. Zudem werde im Rahmen der Unfallkommissionssitzungen stets ein Auge auf die aktuelle Situation an den Auf- und Abfahrten der Bundesautobahnen geworfen. „Hierbei sitzen Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Straßenbaubehörde an einem Tisch und suchen gemeinsam nach Lösungs- und auch Verbesserungsmöglichkeiten, um die Anschlussstellen für den Verkehrsteilnehmer begreifbarer und erkennbarer zu gestalten“, erklärt Klatte.

Land schaltet sich ein

Auch das Land kündigt an, bei der Problematik am Ball zu bleiben. Christian Budde, Sprecher des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, kündigte an, es werde voraussichtlich noch in diesem Jahr eine Sonderverkehrsschau zu Falschfahrern auf Autobahnen in Niedersachsen geben. Dabei überprüfen Vertreter von Polizei und Sicherheitsbehörden bei einer Besichtigung der Straßen, wo Gefahrenpunkte sind und wie diese beseitigt werden können.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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