Im Nordwesten Heftige Unwetter haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag den Nordwesten heimgesucht. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, war ein 48-jähriger Autofahrer bei Großefehn in der Nähe von Aurich in der Nacht bei Starkregen von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Er starb noch an der Unfallstelle.

Gegen 23.00 Uhr am Samstagabend überfuhr in der Nähe von Cloppenburg ein Zug der Nordwestbahn einen etwa sechs Zentimeter dicken Ast, der durch den Sturm auf die Gleise gefallen war. Der Lokführer stoppte den Zug, wie ein Sprecher des Bahnunternehmens sagte. Als der Zugführer keine schwerwiegenden Schäden feststellte, fuhr er in Rücksprache mit der Leitstelle auf Sicht weiter. Weil er so nur mit 10 bis 15 Kilometern pro Stunde unterwegs war, erkannte er ein weiteres Hindernis rechtzeitig: Auf der Strecke lag ein großer Ast. Bei Normalgeschwindigkeit hätte es hier zu einem schweren Unglück kommen können. Die Strecke wurde für 45 Minuten gesperrt.

Marius Becker von der Feuerwehr Essen/Oldenburg erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur Nonstop News: „Innerhalb kurzer Zeit hat sich das überraschend zu einem gewaltigen Unwetter entwickelt, wie wir es die letzten Jahre nicht mehr gehabt haben.“

Zahlreiche Keller überflutet

Seit 22 Uhr seien er und seine Kollegen im Landkreis Cloppenburg im Dauereinsatz gewesen, um zahlreiche überflutete Keller auszupumpen. „Wir haben hier mit Wassermengen zu kämpfen gehabt, wie wir sie seit 20 oder 30 Jahren nicht mehr gesehen haben“, berichtet der Einsatzleiter. Zudem seien viele Bäume umgestürzt, aber Verletzte hätte es – so der Stand in der Nacht – bisher keine gegeben.

Auch über Ostfriesland zogen die schweren Unwetter hinweg und hinterließen viel Arbeit für die Feuerwehr. In ein Familienhaus in Aurich schlug der Blitz ein – ein Folgebrand blieb aus, berichtet Nonstop News. In Schortens wurde ein Gebäude ebenfalls vom Blitz getroffen und geriet in Brand. Die Feuerwehr konnte die Flammen erfolgreich bekämpfen.

Watt-en-Schlick-Fest eine Stunde unterbrochen

Glimpflich kamen die Besucher des Watt-en-Schlick-Festivals in Dangast davon. Nach dem Konzert des deutschen Rappers und Musikproduzenten Maeckes im Zelt wurde die Veranstaltung gegen 22.30 Uhr für eine Stunde unterbrochen. Ein Sprecher bat die Musikfans, „in Ruhe das Gelände zu verlassen“ und sich „sicherheitshalber“ in Autos zu begeben. Die Besucher folgten dem Aufruf ruhig, ohne dass sich Panik verbreitete. Nach wenigen Minuten war das Gelände geräumt.

Zuvor wurde unter anderem vom Warn- und Informationssystem „Katwarn“ eine amtliche Warnungen vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen und Hagel veröffentlicht. Für ihre Entscheidung erhielten die Veranstalter viel Lob: „Das ist schade, ich habe mich sehr auf die Band Bilderbuch gefreut (Anm. d. Red.: Der Headliner sollte um 22.30 Uhr auf der Hauptbühne auftreten) – aber die Sicherheit geht natürlich vor“, erzählt eine Besucherin leicht enttäuscht. Sie wählte dann doch lieber die Rückfahrt nach Oldenburg. Viel Verständnis für die Organisatoren gab es auch in den sozialen Medien. „Das spricht (...) für den Veranstalter! Verantwortungsvolle Entscheidung!“, schreibt dort jemand, ein anderer Gast ergänzt: „Daumen hoch für diese Entscheidung!“

Gegen 23.30 Uhr wurde das Festival dann wie geplant fortgesetzt. „So wie es aussieht, hat der Wettergott es mal wieder mit uns gut gemeint!“ erklären die Organisatoren bei Facebook und ergänzten: „Vielen Dank an alle, dass das so super funktioniert hat mit der Räumung! Ihr seid das beste Publikum der Welt!“

DLRG sagt Fackelschwimmen ab

Dem Unwetter zum Opfer fiel auch das Fackelschwimmen in Bad Zwischenahn, das anlässlich der Lichternacht im Kurpark eigentlich am Samstagabend stattfinden sollte.

„Das ist nicht nur schade für die zahlreichen Gäste sondern auch für die 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bereits die Badebekleidung angezogen hatten“, erklärt die DLRG-Ortsgruppe bei Facebook. Auch hier ernteten die Veranstalter für die Entscheidung viel Zustimmung „Baderegeln gelten auch für Retter, erst Recht bei solchem Wetter!“

Immerhin: Als kleine Wiedergutmachung bekamen die verhinderten Schwimmer Suppe, Bratwurst und Getränke in der Rettungswache.

Blitze halten Oldenburger wach

Für Aufregung sorgten die Gewitter auch in diversen Oldenburger Facebook-Gruppen. Zahlreiche Nutzer posteten Bilder und Videos spektakulärer Blitze. Viel mehr passierte nicht: „Die Stadt ist weitestgehend verschont geblieben“, erklärt Marc Bürger von der Polizei Oldenburg am Sonntagmorgen.

Auch am Sonntag Gewitter möglich

Die Wetterprognose für den Sonntag ist durchwachsen: Im Tagesverlauf kann es zeitweise kräftige Regengüsse und Gewitter geben, örtlich mischen sich Hagelschauer und starke bis stürmische Windböen in den Wetterablauf ein. Dazwischen kommt auch immer wieder die Sonne zum Vorschein. 21 bis 24 Grad werden erreicht. Der Wind weht sonst schwach bis mäßig aus Südwest bis West. Auch am Montag besteht weiterhin eine erhöhte Schauer- und Gewitterneigung.

NWZplay-Video vom Watt-en-Schlick-Festival am Samstag:

Der Blaulichtblog für den Nordwesten

Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
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