Cuxhaven Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat im vergangenen Jahr an Nord- und Ostsee etwa 500 Menschen aus Seenot gerettet oder aus teils lebensbedrohlichen Situationen befreit. Dazu seien die Besatzungen auf ihren 59 Rettungskreuzern und Booten mehr als 2.050 Mal im Einsatz gewesen, bilanzierte die Gesellschaft am Dienstag in Cuxhaven. 58 Menschen sind im vergangenen Jahr auf See aus der Gefahr geholt worden. Sie waren in Nord- oder Ostsee in Not geraten. Aktuell bereiten die Seenotretter ihre Flotte mit einer Reihe von Neubauten auf die Zukunft vor.

1865 in Kiel gegründet

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde am 29. Mai 1865 in Kiel gegründet. Auslöser war der Untergang des Auswandererschiffes „Johanne“ am 6. November 1854 vor Spiekeroog an der ostfriesischen Nordseeküste. Beim Schiffbruch der Bark starben 84 Menschen bei tosendem Wellengang.

Der Untergang der „Johanne“ war eines der schwersten Schiffsunglücke jener Jahre an den deutschen Küsten. Weil es an Rettungsmitteln fehlte, mussten die Inselbewohner tatenlos zusehen. Erst bei Ebbe konnten sie die überlebenden Schiffbrüchigen retten und die Toten bergen.

Oberzollinspektor Georg Breusing gründete daraufhin bereits 1861 in Emden den ersten deutschen regionalen Verein zur Rettung Schiffbrüchiger. Für den Zusammenschluss einzelner regionaler Vereine setzte sich dann einige Jahre später maßgeblich der Nationalökonom und Redakteur des „Bremer Handelsblattes“, Arwed Emminghaus, ein. Sitz der DGzRS wurde Bremen.

Heute gehören rund 60 Rettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten zur Flotte der Gesellschaft, die sich ausschließlich aus Spenden finanziert. Seit Gründung haben ihre Besatzungen mehr als 84.500 Menschen aus Seenot gerettet oder aus drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Organisation ist traditionell der Bundespräsident.

Die meisten Einsätze (1.174) liefen an der Ostseeküste. Seit der Gründung vor 153 Jahren haben die Seenotretter so laut eigener Statistik insgesamt mehr als 84.500 Menschen auf See Hilfe gebracht. Sie waren in Nord- oder Ostsee in Not geraten.

Ausschließlich über Spenden finanziert

Im abgelaufenen Jahr wurden sechs neue Rettungskreuzer und -boote in Dienst gestellt, fünf weitere folgen in diesem Jahr. „Etwa 30 Jahre sind die Rettungseinheiten im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee“, sagte DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler. „Rein rechnerisch ergibt sich daraus der Bedarf, jährlich durchschnittlich zwei neue in Dienst zu stellen.“ 24 Neubauten der Jahre 1990 bis 1994 muss die ausschließlich spendenfinanzierte Organisation spätestens Anfang des kommenden Jahrzehnts ersetzen.

„Zweckgebundene Erbschaften versetzen uns in die Lage, für einige dieser Boote schon jetzt moderne Nachfolger zu bauen“, ergänzte Stadeler. In der Folge konnten einige Schiffe umstationiert sowie ältere außer Dienst gestellt und verkauft werden.

Unter dem Präventionsmotto „Sicher auf See“ versucht die Gesellschaft mit ihrer Einsatzzentrale in Bremen aber auch, vorbeugend tätig zu werden - vor allem mit Blick auf Wassersportler, die immer wieder im Fokus von Rettungseinsätzen stehen: Bei etwa jedem zweiten Notruf werden die Retter von Wassersportlern gerufen, mal von Seglern und Motorbootfahrern, mal auch von Anglern, Surfern, Kitesurfern oder Seekajakfahrern.

App hilft Rettern

So wurde unter dem Namen „SafeTrx“ eine App entwickelt, die 2017 mehr als 10.000 Mal aus dem Apple AppStore und dem Google PlayStore heruntergeladen wurde. „SafeTrx“ zeichnet über das Mobiltelefon die Route des Wassersportlers auf und ermöglicht der Seenotleitung in Bremen im Notfall den direkten Zugriff auf den aktuellen Standort. „Mit Hilfe der App konnten bereits aufwendige Rettungsaktionen vermieden werden“, sagte Stadeler. Auf dem Internetportal www.sicher-auf-see.de geben die Seenotretter überdies grundlegende Tipps und Hinweise zur Verhütung von Unfällen auf dem Wasser.

Neuer „Bootschafter“ der Seenotretter ist der Schauspieler Till Demtrøder (50), der auf TV-Moderatorin Heike Götz folgt. Einem breiten Publikum ist der gebürtige Hamburger unter anderem durch seine langjährige Rolle als Zivilfahnder Henning Schulz in der ARD-Serie „Großstadtrevier“ bekanntgeworden. Nun will er ein Jahr ehrenamtlich für die DGzRS werben. „Ich kenne die Seenotretter seit Kindesbeinen“, sagte Demtrøder.

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