Bremen Es gab Jahre, da explodierten die Anträge auf einen „Kleinen Waffenschein“ in Bremen förmlich und vervielfachten sich deutlich im Vergleich zum Vorjahr. Mittlerweile ist es ruhiger geworden um die sogenannten Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (SRS-Waffen). Das spüren auch Waffenhändler. Dennoch: Politik und Polizei warnen eindringlich vor dem Gebrauch der täuschend echten Waffen.

2016 – es war das Jahr, als sich die Anträge auf einen „Kleinen Waffenschein“ in Bremen fast versechsfachten. Verzeichnete die Stadt 2015 105 Anträge, waren es 2016 schon 614. So hoch der Anstieg damals, so sehr hat sich die Antragslage indes beruhigt. 2017, das zeigen Zahlen aus dem Innenressort, stellten „nur“ noch 182 Bremer einen Antrag, 2018 sank die Zahl weiter auf 135. Insgesamt sind 2192 Personen im Besitz eines „Kleinen Waffenscheins“. Ob auch alle eine entsprechende Waffe mitführen, ist unklar.

Auffällig: Mehr als 85 Prozent der Antragssteller sind männlich. Dieses Verhältnis ist seit 2015 etwa gleich geblieben. Grundsätzlich, so Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innenressorts, sei zu vermuten, „dass durch das Mitführen einer SRS-Waffe oft ein subjektives Bedrohungsgefühl kompensiert werden soll“. Luder Fasche, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei Bremen, spricht von „der Illusion von mehr Sicherheit“, die die Waffen erzeugen würden. Anders als es offizielle Zahlen zeigen, glaubt Fasche, dass „vermutlich mehrere Millionen solcher Waffen in Deutschland kursieren“ – und das ohne Erlaubnis. Das Urteil von Jürn Schulze, Landesvorstand der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bremen, zum Punkt „Sicherheit“ fällt noch deutlicher aus: „Eine Schusswaffe ist kein Schutz vor Angriffen, sie wirkt nicht präventiv.“

Vielmehr sind sich sowohl Polizei auch als Politik einig, dass SRS-Waffen genau das Gegenteil bewirken – es bestehe Gefahr für Besitzer und Beamte. Fasche dazu: „Wenn der erste Jugendliche erschossen wurde, weil unsere Kollegen von einer ernsthaften Bedrohung ausgehen mussten, ist das Geschrei groß“, sagte er in Bezug auf die auch immer häufiger bei jungen Menschen gefundenen Soft-Air-Pistolen. Für Beamte sei es in „dynamischen Einsatzsituationen so gut wie unmöglich“, einen Nachbau von einer scharfen Waffe zu unterscheiden. Bürger könnten dies noch viel weniger. Fasche fordert, dass Käufer und Waffe registriert werden.

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