Borkum Nach der Havarie eines der weltweit größten Containerschiffe in der Nordsee ist nun auch in Deutschland Treibgut gelandet. Betroffen ist der Strand von Borkum. „Heute wurden hier die ersten Fernseher angespült“, sagte die auf der Insel lebende Grünen-Politikerin Meta Janssen-Kucz, bei ihrer Partei in Niedersachsens Landtag Sprecherin für Häfen und Schifffahrt. „Unsere größte Sorge gilt aber dem Gefahrgut, den Peroxiden. Wir hoffen, dass die Rettungskette von Behörden und Reederei funktioniert.“

Strandläufer der Kurverwaltung hatten die Fernseher am Morgen entdeckt, wie der NDR berichtete. Es seien rund 30 Geräte und einige weitere Haushaltsgegenstände angespült worden, bestätigte die Insel-Polizei. Auf den niederländischen Wattenmeerinseln haben derweil Soldaten am Freitag mit dem Aufräumen der Strände begonnen.

Die bei der Havarie des Riesen-Frachters „MSC Zoe“ in der Nordsee über Bord gegangenen Container werden die Behörden und die betroffene Reederei wohl noch lange beschäftigen. „Das von der Reederei beauftragte Bergungsunternehmen dürfte noch wochenlang im Einsatz sein“, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven. In den Niederlanden hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet, das dortige Ministerium für Infrastruktur und Wasser will die zuständige Schweizer Reederei MSC für den Schaden haftbar machen.

„Wir gehen nach Angaben der Reederei MSC derzeit von etwas über 270 Containern aus, die über Bord gegangen sind“, sagte der Sprecher. „Darunter soll nach aktuellen Angaben ein Container mit dem Gefahrgut Dibenzoylperoxid sein.“ Ein weiterer Container mit Gefahrgut enthalte Lithiumionenbatterien, bestätigte das Havariekommando am Nachmittag.

Auf den niederländischen Wattenmeerinseln wurden bereits mehr als 20 Container angespült, rund ein Dutzend weitere wurden im Wasser treibend gesichtet. Rund 100 Soldaten kamen am frühen Morgen auf Schiermonnikoog an. In der Nacht war dort ein zweiter Sack mit Peroxid-Belastung gefunden worden. Dibenzoylperoxid dient zur Härtung von Harzen oder als Bleichmittel, es kann im Extremfall bei großer Hitze explodieren. Die Strände und Küsten der friesischen Inseln sind übersät mit Objekten und Verpackungsmüll aus den Containern.

An der ostfriesischen Küste sind die deutschen Behörden besonders wachsam, für Borkum war bereits am Mittwoch eine Warnmeldung abgesetzt worden. Keinesfalls sollten offene Container oder freigesetzte Stoffe berührt werden, warnen die Behörden. Auch sonst sollten Strandgutjäger vorsichtig sein: Wer hierzulande angespülte Gegenstände mitnimmt, riskiert eine Anzeige wegen Fundunterschlagung. In den Niederlanden ist es dagegen nicht strafbar, angespülte Waren mitzunehmen. Nur geschlossene Container dürfen nicht geöffnet werden.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) rechnet damit, dass noch mehr anlandet. „Die Berechnungen, die gemacht worden sind, zeigen, dass Borkum, Juist und Norderney betroffen sein könnten - die anderen Inseln eher nicht“, sagte er in Hannover. Neben Lies machte sich auch die Umweltorganisation Greenpeace für die Ausrüstung von Gefahrgut-Containern mit automatischen Peilsendern stark. Diese sollen dafür sorgen, dass Container mit gefährlichen Stoffen auch unter Wasser schnell gefunden werden können.

Die „MSC Zoe“ hatte die Container in der Nacht auf Mittwoch in stürmischer See verloren. In Bremerhaven wird der mehr als 395 Meter lange Schiffsgigant entladen. Die dortige Wasserschutzpolizei werde am Montag mit dem Bundesamt für Schiffsunfalluntersuchung die Ermittlungen zur genauen Unfallursache aufnehmen, hieß es.

In deutschen Gewässern wurden bislang zehn Container entdeckt, einer davon konnte bereits gesichert werden. „Normalerweise gehen die meisten Container nach einiger Zeit unter, weil sie mit Wasser vollaufen“, erklärte der Sprecher des Havariekommandos.

Die Bergung der gefundenen Container gestalte sich schwierig, so der Sprecher weiter. Diese seien zumeist mit Wasser vollgelaufen und hätten ein hohes Gewicht. Gleichzeitig befänden sie sich im Flachwasser, wo größere Schiffe wegen ihres Tiefgangs nicht nah genug heranfahren könnten, um sie aufzunehmen. Bei den Aufräumungsarbeiten habe MSC mittlerweile mehrere Bergungsunternehmen in den Niederlanden und Deutschland beauftragt, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Dabei dankte es auch den freiwilligen Helfern.

Bei der Suche unter Wasser werde auch das Spezialschiff „Wega“ vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit seinem Sonargerät sowie ein Hubschrauber der Bundespolizei und ein Ölüberwachungsflugzeug eingesetzt. Vom Mehrzweckschiff „Neuwerk“ wird die Aktion vor Ort koordiniert. Auch zwei Tonnenleger waren am Freitag bei den Such- und Bergungsarbeiten im Einsatz. „Am Wochenende soll sich das Wetter verschlechtern“, sagte der Sprecher. Das könnte zwar die Bergung von Containern auf dem Meer erschweren, doch dürfte andererseits der Nordwestwind vermehrt Treibgut anspülen.

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