Aurich /Leer Im Skandal um defekte Bandscheibenprothesen in Ostfriesland hat der angeklagte Arzt vor Gericht Korruptionsvorwürfe zurückgewiesen. Der damalige Leiter der Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Leer soll für den bevorzugten Einsatz von Wirbelsäulenimplantaten eines bestimmten Herstellers unerlaubt Geld kassiert haben. Die Klinikleitung habe jedoch von seinen Nebentätigkeiten gewusst, ließ der inzwischen entlassene 55-Jährige am Dienstag zum Prozessauftakt am Landgericht Aurich über seinen Anwalt mitteilen. Er habe Zahlungen dafür als Anteil an seiner Erfindung verstanden. Der Prozess wird am 18. November fortgesetzt.

In dem Prozess geht es in insgesamt 74 Fällen um Vorteilsannahme und Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall. Auch die frühere Geschäftsführerin einer Vertriebsgesellschaft ist angeklagt. Ihr Anwalt forderte kurz nach Prozessbeginn die Einstellung des Verfahrens aus formalen Gründen.

Die Zentralstelle für Korruptionsstrafsachen bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte in dem Verfahren zwei Anklagen verbunden. Danach sollen der Facharzt für Neurochirurgie und ein Unternehmen für Medizinprodukte ein Implantat für die Wirbelsäulenchirurgie entwickelt haben. Der Arzt setzte Patienten die Implantate bei Operationen in Leer ein. Dafür wurde er prozentual an Umsätzen beteiligt und kassierte mehr als 14 000 Euro.

Daneben soll der Arzt von einer weiteren Vertriebsgesellschaft eine Vergütung bekommen haben, damit er Implantate eines bestimmten Herstellers bevorzugt. In der Anklageschrift ist von über 128 000 Euro in den Jahren 2011 bis 2016 die Rede.

Die Unregelmäßigkeiten am Klinikum Leer waren nach dem Rückruf von defekten Implantaten eines britischen Herstellers ans Licht gekommen. Die Klinikleitung hatte darauf die dienstlichen Mails des Arztes geprüft und war auf Provisionsrechnungen gestoßen. Darauf schaltete das Klinikum die Polizei ein.

Ein weiterer Prozess gegen den Arzt wegen Körperverletzung in 59 Fällen steht noch aus. Denn viele eingesetzte Implantate hatten sich als schadhaft erwiesen und waren verrutscht oder zerbröselt. An den Folgen litten zahlreiche Patienten, sie mussten erneut operiert werden, viele von ihnen an der Orthopädie-Klinik Stenum.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.