Aurich Die Presse-Fotografen warten schon, als der Angeklagte am Dienstagvormittag den Saal 003 des Auricher Landgerichts betritt. Blitze zucken, Kameraverschlüsse klicken. Der Mann im schwarzen T-Shirt wendet sich nicht ab, zieht keinen Aktendeckel vor das Gesicht wie viele, die vor ihm auf diesem Stuhl saßen.

Der 35-Jährige hat sich am 22. Februar 2018 selbst der Polizeiinspektion in Aurich gestellt und sitzt seit diesem Tag in Untersuchungshaft. Er war mehr als zwei Jahre lang mit internationalem Haftbefehl gesucht worden, weil er verdächtigt wurde, an der Entführer eines Reeders aus dem Landkreis Leer beteiligt gewesen zu sein.

Vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Aurich wird der Fall am Dienstagvormittag zum dritten Mal aufgerollt. Bei Prozessbeginn legt der Pole ein Geständnis ab. Grundlage dafür ist ein Verständigungsangebot vonseiten der Kammer unter Vorsitz von Richter Christian Weigmann.

Der 35-Jährige bestätigt, dass er am 19. April gegen 8.30 Uhr die Limousine des Reeders gemeinsam mit anderen angehalten hat. Dabei habe er sich durch eine schwarze Boxerjacke einen offiziellen Anstrich geben wollen. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters verneint er, mit dem Reeder in der Ferienwohnung zusammengetroffen zu sein. Er habe sich demnach auch nicht an den zur Last gelegten Drohungen und Schlägen beteiligt. Er habe sich immer in der zweiten Ferienwohnung in Hatzum aufgehalten. Von dem Drahtzieher des Coups sei ihm im Vorfeld gesagt worden, dass die Entführung schnell und unkompliziert über die Bühne gehen werde.

Richter Christian Weigmann streicht in seiner Urteilsbegründung (fünf Jahre und ein Monat) heraus, dass es die Kammer beeindruckt habe, dass der Angeklagte Verantwortung übernimmt. „Das ist ein Charakterzug, den man immer seltener antrifft“, sagte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten gefordert. Der 35-Jährige habe nur eine untergeordnete Rolle beim Geschehen gespielt, sagte Staatsanwalt Helge Ommen in seinem Plädoyer. Damian Skiba, der Dortmunder Verteidiger, hatte auf fünf Jahre Haft plädiert.

Ein Reeder aus dem Landkreis Leer ist am 19. April 2016 auf seinem Weg von Detern zu seiner Firma entführt worden. Die Täter hielten ihr Opfer in einer Ferienwohnung in Hatzum fest. Ihre Forderung: eine Million Euro Lösegeld. Eine Woche nach der Tat nahm die Polizei einen 67-Jährigen aus Iserlohn und zwei polnische Komplizen fest. Die Täter wurden am 6. Februar 2017 zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren sowie sechs Jahren und vier Monaten verurteilt. Im Juli 2017 wurde ein weiterer Mitangeklagter zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

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