VERDEN Für die Opfer war es ein einziger Alptraum:

Zwei Männer locken Frauen über Job- und Vermietungsanzeigen in ein

Haus in Garlstedt bei Bremen und quälen sie wochenlang. Zum Teil

werden die Frauen misshandelt, vergewaltigt und zur Prostitution

gezwungen. Wiederholt werden zwei Frauen nachts in einen Hundekäfig

gesperrt. Das Martyrium endet erst, als sich eine dritte Gefangene

nackt und mit Handschellen gefesselt auf das Hausdach rettet. Ihre

Flucht bringt die Polizei auf die Spur der beiden Männer, die sich

seit April 2007 wegen Geiselnahme, Vergewaltigung, sexueller Nötigung

und Menschenhandel verantworten mussten. Das Landgericht Verden

verhängte gegen sie am Mittwoch hohe Haftstrafen.

Ein 42 Jahre alter Angeklagter wurde zu einer Haftstrafe von 14

Jahren und Sicherungsverwahrung verurteilt. Sein 55 Jahre alter

Komplize muss eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren und sechs Monaten

verbüßen. Beide Männer müssen außerdem je 150.000 Euro an die Opfer

zahlen. Die Verteidiger hatten keine konkreten Strafen gefordert.

In dem 14-monatigen Prozess waren zumeist unter Ausschluss der

Öffentlichkeit schreckliche Details zur Sprache gekommen, die

Oberstaatsanwalt Hansjürgen Schulz später in seinem Plädoyer nicht

wiederholen wollte. Danach waren die Ereignisse in dem

Einfamilienhaus an Grausamkeit kaum zu überbieten. Anfang des Jahres

2006 hatten die Angeklagten den Plan entwickelt, ein Bordell zu

betreiben. Nachdem sich auf Anzeigen hin keine Freiwilligen gemeldet

hatten, wollten die Täter Frauen gefangen nehmen und zur Prostitution

zwingen.

Am 14. August 2006 schlug für das erste Opfer die Falle zu. Über

einen angebotenen Promotion-Job hatten der Versicherungskaufmann und

der Web-Designer die 23 Jahre alte Psychologie-Studentin angelockt.

Sie wurde überwältigt, gefesselt und in Folie gewickelt auf einen

Tisch gelegt. In dieser würde sie sterben müssen, wenn sie sich nicht

füge, drohten die Täter. Wegen der schweren psychischen Folgen war

die Frau verhandlungsunfähig.

Die zweite Frau war rund vier Wochen in Gefangenschaft. Sie musste

mit beiden Angeklagten sowie mit 24 Freiern schlafen und dabei,

teilweise ans Bett gefesselt, Ekel erregende Sexualpraktiken

verrichten. „Zehn Tage musste sie in einem Hundekäfig schlafen“, hob

das Gericht hervor. Dort war sie stundenlang unter Beschallung mit

lauter Musik eingesperrt. Sie musste aus einem Hundenapf essen, wurde

nackt an einer Leine durchs Haus geführt, an einen Tisch gebunden und

musste darunter über Stunden liegen bleiben.

Erst dem dritten Opfer gelang eine schnelle Flucht. „Man kann sich

nur die bange Frage stellen, wie es sonst weiter gegangen wäre“,

sagte der Richter. Bei dem 42-Jährigen müsse man von einer

„Gefährlichkeit bis ins hohe Alter ausgehen“. Ein Sachverständiger

habe dem Mann eine Persönlichkeitsstörung sowie „allgemeinen und

sexuellen Sadismus“ bescheinigt. Für das Gericht stand fest, dass der

Mann nach seiner Haftstrafe in Sicherungsverwahrung kommen muss.

Dadurch könnte er lebenslang hinter Gittern bleiben.

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