Bremen Eine 80 Jahre alte Frau ist wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Bremen sah es am Freitag als erwiesen an, dass die Seniorin ihre Nachbarin und Freundin während eines Trinkgelages im vergangenen August mit einer Vase mehrfach auf den Kopf schlug und mit einem Küchenmesser auf sie einstach. Das 63-jährige Opfer starb noch am Tatort.

Die Tat rufe Unverständnis hervor, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. „Das ist ein Fall, wo ich mich frage: Warum? Es erschließt sich nicht.“ Die nicht vorbestrafte, rüstig wirkende Angeklagte hatte weitgehend zu den Vorwürfen geschwiegen.

Sie hatte zusammen mit ihrem 57-jährigen Liebhaber und dem späteren Opfer über den ganzen Tag hinweg in ihrer Wohnung Wodka getrunken. Der Mann war irgendwann volltrunken eingeschlafen. Währenddessen seien die langjährigen Freundinnen wohl in Streit geraten, möglicherweise wegen des 57-Jährigen, sagte der Richter. Offensichtlich habe es schon eine Woche vor der Tat eine Auseinandersetzung um ihn gegeben.

Die drei hatten sich öfter zu Trinkgelagen getroffen, sagte der Richter. Die 80-Jährige hatte bei der Tat 1,6 Promille im Blut. „Es ist ein Unterschied, ob jemand mit 80 ins Gefängnis geht oder mit 40“, sagte Kellermann. „Aber wir können auch bei einer 80-Jährigen nicht zulassen, dass solche Taten geschehen.“

Die Staatsanwaltschaft hatte auf achteinhalb Jahre Haft plädiert, die Verteidigung hatte Freispruch gefordert.

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