Osnabrück /Oldenburg Der Hebammenverband Niedersachsen fordert die zügige Einführung von Studiengängen für Geburtshelferinnen in Niedersachsen. Hintergrund ist die Reform der Hebammenausbildung in Deutschland. Einem Entwurf der Bundesregierung zufolge soll es ab 2021 keine Ausbildung mehr an Fachschulen geben, sondern nur noch über ein akademisches Fachstudium.

Notwendig sei die schnelle Einführung von Studiengängen in Osnabrück, Oldenburg, Hannover und Hildesheim/Göttingen, sagte die Landesvorsitzende des Hebammenverbandes, Veronika Bujny, der Deutschen Presse-Agentur. „Unsere Forderung an die Landesregierung lautet: Nehmt Euch ein Herz, nehmt Geld in die Hand und richtet die Studiengänge schnellstmöglich ein“, sagte Bujny.

Schon jetzt sei die Versorgung mit freiberuflichen und festangestellten Hebammen in Niedersachsen nicht ausreichend, erklärte Bujny. Auch viele Kliniken müssten Frauen bereits abweisen. In den nächsten acht Jahren gehen ihr zufolge ein Viertel der jetzt 2000 Hebammen in Niedersachsen in den Ruhestand. „Es sind zu wenig junge Kolleginnen, die in den Beruf gehen. Das hat auch damit zu tun, dass in den 80er und 90er Jahren Ausbildungsplätze abgebaut worden sind.“

Das Ende der Ausbildung an Fachschulen sei für 2020 absehbar, und damit sei dieses Auslaufmodell für Berufsinteressierte unattraktiv. Die Folge: Interessentinnen würden eher auf die Studiengänge warten, mit der Folge, dass sich die Versorgung mit Fachkräften zunächst weiter verschlechtern dürfte. „Wenn man erkennt, dass das alte Modell der Ausbildung überholt ist, muss man schnell reagieren“, fordert Bujny. Andere Bundesländer seien attraktiver: Bremen und Hamburg böten bald einen Studiengang, und unter anderem in Lübeck, Fulda Bochum und Berlin gebe es bereits entsprechende Angebote.

Ein bereits in Osnabrück existierender Studiengang sei nur ein auf eine Fachschulausbildung aufsattelnder Studiengang. In Osnabrück müsse daher auch ein primärqualifizierender Studiengang eingerichtet werden.

Die Landesregierung geht davon aus, dass für Niedersachsen rund 190 Studienplätze notwendig sind, um den Bedarf zu decken. „Die Akademisierung soll weitere Gruppen von potenziell Interessierten erschließen und die Attraktivität des Berufsbildes „Hebamme“ steigern“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Allerdings reagieren die Ressorts auf die Forderung, schnellstmöglich Studienplätze zu schaffen, eher verhalten. Die entsprechende Planung richte sich nach rechtlichen Rahmenbedingungen, passenden Hochschulstrukturen und ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten, teilte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums mit.

Im März hatte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) Zahlen vorgestellt, wonach die Zahl der Geburten in Niedersachsen steigt. Demgegenüber blieb die Zahl der Hebammen im Krankenhaus in den vergangenen Jahren mit etwa 900 konstant, die Zahl der freiberuflich arbeitenden Geburtshelferinnen ging von 2009 bis 2016 von 1197 auf 1065 zurück.

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