Oberursel (dpa/tmn) - Wenn Luis Blumenstein und seine Kollegen gerufen werden, müssen sie Detektivarbeit leisten. Schaben in der Küche, Motten im Mehl oder Wanzen im Bett: Es gibt viele Orte, an denen Schädlinge ihr Unwesen treiben können.

Blumenstein macht bei der Vogt + Sommer GmbH im hessischen Oberursel eine Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer und ist in solchen Fällen zur Stelle. Zuerst werde die Stärke des Befalls überprüft und dann entschieden, wie vorgegangen wird, erzählt der 27-Jährige. "Das ist ein hochinteressanter Beruf." So gehören zum Beispiel Taubenabwehr sowie Holz- und Pflanzenschutz zum weiten Aufgabenfeld der Fachkräfte.

Umweltschutz und berufliche Anforderungen

Bei der Bekämpfung von Schädlingen spielt der Umweltschutz eine große Rolle. Bärbel Holl vom Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung sagt: "Wir überlegen: Welches Mittel brauche ich wirklich, um das Problem zu lösen?" Das bedeutet: Giftige Stoffe werden nur eingesetzt, wenn es unbedingt nötig ist.

Mitbringen sollten angehende Schädlingsbekämpfer großes Interesse an Naturwissenschaften wie Biologie und Chemie, sagt Christine Schröder, Bildungsgangleiterin Schädlingsbekämpfer am Hans-Schwier-Berufskolleg in Gelsenkirchen. "Man sollte keine Scheu und keinen großen Ekel vor Krabbeltieren haben."

Ablauf der Ausbildung

Im ersten Lehrjahr stehen Arbeitsschutz, Gesundheits- und Vorratsschutz sowie die biologischen Grundlagen im Mittelpunkt. Hier geht es laut Christine Schröder vor allem um Gesundheitsschädlinge wie Schaben und Schadnager. Im zweiten Lehrjahr werde der Holz- und Bautenschutz vertieft.

"Einen großen Platz nehmen Tauben, vorratsschädigende Käfer und Motten sowie Krankheiten ein, die von den verschiedenen Schädlingen übertragen werden können", erklärt Schröder. Ebenso steht Pflanzenschutz auf dem Stundenplan.

Abwechslungsreicher Joballtag

Angehende Schädlingsbekämpfer trainieren die Kommunikation mit Kunden. Wichtig bei der Kundenberatung seien Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, so Bärbel Holl. Denn: Schädlingsbefall ist für viele ein sensibles Thema.

Es sei spannend, in Bereiche zu gucken, in die man sonst keinen Einblick habe, findet Luis Blumenstein. "Man kann hinter die Kulissen gucken." Schädlingsbekämpfer werden dabei mit menschlich Schicksalen konfrontiert - etwa in Messie-Wohnungen oder bei Tatortreinigungen. "Man kommt manchmal in Wohnungen, in denen Zustände herrschen, die einen betroffen machen", so Blumenstein.

Dem Schädling auf der Spur

Die Arbeit von Schädlingsbekämpfern sei immer auch Detektivarbeit, sagt Christine Schröder. Sie müssen herausfinden, um welche Organismen es sich handelt, wo sie sich aufhalten und wie man sich vor ihnen schützen kann. Berührungsängste hat Luis Blumenstein dabei keine. "Ich bin ja mit dem Beruf großgeworden", erklärt er. Der Betrieb, in dem er seine Ausbildung macht, wird in dritter Generation von seinem Onkel geführt.

Ungeziefer haben nicht immer mit Dreck zu tun, erklärt Christine Schröder - und schon gar nichts mit sozialem Status. "Dem Schädling ist es egal, ob Schnellimbiss oder 5-Sterne-Hotel, alle kann es treffen." Aus diesem Grund suchen viele Betriebe Fachpersonal.

Vergütung

Eine Berufsschule für die dreijährige Ausbildung gibt es neben Gelsenkirchen noch in Berlin. Die Bundesagentur für Arbeit gibt zur Orientierung für Betriebe mit Tarifvertrag ein Bruttomonatsgehalt zwischen 685 und 775 Euro im ersten und zwischen 955 und 1050 Euro im dritten Lehrjahr an. Viele Schädlingsbekämpfer machen sich nach der Ausbildung selbstständig, berichtet Christine Schröder. Luis Blumenstein möchte im Familienbetrieb bleiben - und dort die Bereiche Holz- und Bautenschutz sowie Pflanzenschutz weiter ausbauen.

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