Hannover Wie werden wir in 20 Jahren an den Holocaust erinnern, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Wie muss eine Erinnerungskultur aussehen, die auch die junge Generation annimmt? Antworten auf diese Fragen haben am Montag 60 Schüler aus ganz Niedersachsen, darunter aus Ostfriesland sowie der Stadt und dem Landkreis Osnabrück, gesucht. Auf Einladung von Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta befassten sich die Jugendlichen im Niedersächsischen Landtag einen Nachmittag in verschiedenen Arbeitsgruppen damit, wie es gelingen kann, die Erinnerungen an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wachzuhalten.

Sich selbst engagieren statt frontal mit vielen Informationen konfrontiert zu werden, lautete einer der zahlreichen Ansätze, den die Schüler entwickelt haben. Engagement – das ist auch das zentrale Anliegen des internationalen Jugendvereins Jugend für Dora. Ein Verein, der sich vorrangig mit der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora und seines Außenlagerkomplexes auseinandersetzt und während der Veranstaltung über seine Arbeit berichtete. „So viele junge Menschen – was für ein wunderbarer Anblick“, zeigte Andretta sich erfreut über die große Resonanz zum Auftakt ihrer diesjährigen Veranstaltungsreihe, in deren Mittelpunkt die Landtagspräsidentin das Thema „Jugend und Demokratie“gestellt hat.

„Ich möchte die junge Generation gewinnen, sich in das Gedenken einzubringen – auf ihre Weise. Sie sollen ihre eigenen Wege finden, die Erinnerungskultur in Niedersachsen fortzuführen“, betonte Andretta, die für die Moderation der Veranstaltung Dr. Dietmar von Reeken, Professor für Geschichtsdidaktik der Universität Oldenburg, gewinnen konnte. „Wenn wir wollen, dass das Erinnern an die NS-Zeit als zentrale Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens auch in den kommenden Jahrzehnten weitergetragen wird, dann müssen wir neue Wege finden, wie wir Menschen erreichen. Und zwar gerade junge Menschen, die manchmal von der Ritualisierung der Erinnerungskultur abgeschreckt sind“, betonte Professor von Reeken, dessen Schwerpunkte auf Geschichtsunterricht und Geschichtskultur liegen. Dabei gehe es nicht ausschließlich um die „monströsen Verbrechen“, sondern es müsse sich immer wieder auch um die Frage drehen, „warum damals so viele so lange mitgemacht und dieses System getragen haben.“

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Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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