Gifhorn Fünf Monate nach der Eröffnung der Zwei-Religionen-Kita in Gifhorn ziehen die Initiatoren eine erste positive Bilanz. „Der Start ist super verlaufen“, sagte die Leiterin, Linda Minkus.

Nach dem aufsehenerregenden Beginn im August, über den bundesweit berichtet wurde, sei nun allmählich der Alltag eingekehrt. In der Kita werden 15 Kinder aus christlichen, muslimischen und konfessionslosen Familien betreut.

Hinter dem Projekt „Abrahams Kinder“ stehen die muslimische Ditib-Moschee in Gifhorn, die katholische St. Altfrid-Gemeinde und die evangelische Dachstiftung Diakonie. „Diese Zusammensetzung der verschiedenen Träger ist aber das einzig wirklich Besondere, ansonsten sind wir eine ganz normale Kita“, meint Minkus, die zuvor in einer katholischen Einrichtung arbeitete.

In der Kindertagesstätte herrsche eine tolle Atmosphäre, was nach Auffassung der Leiterin vor allem daran liegt, dass sich viele Eltern in das Projekt einbringen. „Ich möchte, dass meine Tochter früh mit anderen Religionen in Berührung kommt“, hatte Sophie Fritsche bei der Eröffnungsfeier im Sommer ihre Entscheidung begründet, ihre Tochter anzumelden. Auch Ali Akdeniz hatte gesagt, sich viel von der interreligiösen Einrichtung zu versprechen.

Das Erntedankfest im Herbst war für die Kita-Leiterin ein erster Höhepunkt. „Die Früchte dafür hatten die Kinder selbst von den Obstbäumen im Garten gepflückt“, berichtete Minkus. „Es gibt Anfragen aus ganz Deutschland, auch von potenziellen Nachahmern.“ Auch aus einem Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (beide SPD) habe sie viel Unterstützung mitgenommen.

Minkus will aber nicht verheimlichen, dass es weiterhin Kritik an dem Projekt gibt und berichtet von der „ein oder anderen Mail“ die beim Trägerkomitee eingegangen ist. Innerhalb Gifhorns waren im vergangenen Jahr in unregelmäßigen Abständen immer wieder Flyer ausgelegt worden, die sich offensichtlich gegen die Kita richteten. „Schauen Sie hin, wem Sie ihre Kinder anvertrauen“, war darauf unter anderem zu lesen.

Kultusminister Tonne zeigte sich entsetzt und verurteilte die anonymen Flugblätter. Auch Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich (CDU) stellte sich in öffentlichen Statements hinter das Projekt. Die Stadt sei froh, dass mit dieser Einrichtung der Dialog der unterschiedlichen Religionen gefördert werde, sagte die Stadträtin Kerstin Meyer.

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