Bonn „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, schrieb einst Matthias Claudius. Doch die Corona- Pandemie hat Firmen vor Augen geführt, dass Austausch auch virtuell möglich ist.

Vor dem Morgengrauen aufstehen, zum Check-in für den ersten Flug nach Berlin hechten, um sich dort eine Stunde lang mit Geschäftspartnern auszutauschen und gleich wieder zurückzufliegen: Was in vielen Unternehmen Alltag war, wirkte schon vor Corona nicht mehr zeitgemäß. Viel CO2 landete in der Atmosphäre der supermobilen, dezentralen Arbeitswelt. Dann kam die Pandemie – und zwang die Welt, endlich einmal genauer zu überlegen: Muss das wirklich sein?

Deutsche Post, Deutsche Telekom, Deutsche Bank, Rheinmetall, Zalando, Evonik, RWE, Thyssen-Krupp oder Bayer: Fragt man große deutsche Konzerne, ist die Einigkeit groß: „Nach Corona“ werden nicht mehr so viele Dienstreisen stattfinden wie vorher. Die Lehren der Pandemie wirken.

Keine Einbußen

Für global agierende Unternehmen wie die Post mit Mitarbeitern in 220 Ländern gehören Treffen per Video schon lange zum Alltag. Aber: „Die Pandemie hat hier als Katalysator fungiert und der virtuellen Zusammenarbeit einen weiteren Schub gegeben“, sagt eine Sprecherin. Meist habe es keine inhaltlichen Einbußen gegeben, sogar Länderbesuche hätten virtuell stattgefunden.

Auch Rheinmetall berichtet sogar von langwierigen, länderübergreifenden Vertragsverhandlungen, die mit Kunden auf einmal auch per Video möglich waren. Die Zahl der Konferenzen über Telefon oder Video sei bei Rheinmetall in den vergangenen vier Monaten auf das Sechsfache gestiegen, teilte ein Sprecher mit. Gleichzeitig seien die Reisekosten um rund 80 Prozent gesunken. Dieses „enorme Sparpotenzial“ sporne an, die Tools auch in Zukunft intensiver zu nutzen als zuvor.

Doch nicht für jedes Treffen ist der virtuelle Raum der richtige, auch da sind sich viele Unternehmen einig. „Klar ist, dass virtuelle Konferenzen den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen können“, sagt etwa eine Sprecherin von BMW.

Man wolle von Fall zu Fall abwägen und erwarte eine Mischung aus echten und digitalen Treffen, heißt es von Post, Telekom, Rheinmetall und etlichen anderen Konzernen.

Erwartung ändert sich

Wer sich auf einen weiten Weg zu seinem Gesprächspartner macht, gibt sich Mühe. Diese Wertschätzung dürfte gerade im Kontakt mit Kunden bislang oft ein Grund für manche Dienstreise gewesen sein. Aber: Da während der Corona-Zeit Reisen generell kaum zur Debatte standen, hatten alle Seiten die Chance, sich frei von Erwartungen an neue Formen zu gewöhnen, meinen Experten.

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