Oldenburg /Ludwigsburg Eine Woche hatten die Basketballer der EWE Baskets Oldenburg nach dem über zwei Verlängerungen hart erkämpften Erfolg über Ulm Zeit, um sich in aller Ruhe auf das Bundesliga-Spiel bei den Riesen Ludwigsburg an diesem Samstag (20.30 Uhr) vorzubereiten. Ein Luxus, von dem der heutige Gegner nur träumen kann: Nach der knappen 91:93-Niederlage nach Verlängerung am Montag in Bamberg und der deutlichen 77:96-Heimschlappe in der Champions League gegen den italienischen Club Sidigas Avellino am Mittwoch steht für die Ludwigsburger am Abend die dritte Partie innerhalb von fünf Tagen auf dem Programm. Klarer Vorteil Oldenburg also? Nicht automatisch, meint Baskets-Trainer Mladen Drijencic.

„Das Pensum der Ludwigsburger in dieser Woche ist hart, keine Frage. Aber sie hatten zumindest keine allzu großen Reisestrapazen, ihr einziges Auswärtsspiel fand in Bamberg statt – und das ist ja nicht weit von Ludwigsburg entfernt. Von daher glaube ich nicht, dass sie müde sein werden“, sagte Drijencic, machte aber eine Einschränkung: „Wenn es ein knappes Spiel wird, sollten wir am Ende mehr Energie haben. Denn dann könnte sich der Kräfteverschleiß der Ludwigsburger doch bemerkbar machen.“

Die Doppelbelastung kennen die Oldenburger aus eigener Erfahrung nur zu gut, in dieser Saison jedoch sind die Baskets aufgrund ihres selbst gewählten Verzichts auf die Teilnahme am viertklassigen Europe Cup zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht in einem europäischen Wettbewerb vertreten. Eine „ungewohnte Situation“, wie Drijencic einräumte: „Sonst hatte man nach einem Bundesliga-Spiel am Wochenende schon direkt die nächste Europapokalpartie am darauffolgenden Dienstag oder Mittwoch im Kopf. Jetzt weiß man dagegen, dass das nächste Spiel erst in einer Woche ansteht.“

Um zwischen den Wochenenden keinen Leerlauf aufkommen zu lassen, haben Drijencic und seine Assistenten in dieser Saison die Trainingssteuerung angepasst. „Bis drei Tage vor einem Spiel trainieren wir sehr, sehr hart. Dann geht es zum Beispiel eine Stunde lang auf zwei Körben nur hin und her – bum, bum, bum“, berichtete Drijencic: „Danach fahren wir die Belastung herunter, damit die Jungs am Spieltag frisch in den Beinen und in den Köpfen sind. Es geht darum, die richtige Mischung zu finden.“

Bislang sei dies gut gelungen, findet Drijencic und führt als Beispiel die Partie gegen Ulm am vergangenen Samstag an, als seine Mannschaft in der doppelten Verlängerung noch einmal zulegen konnte. „Da hatte Rickey ja ganz am Ende noch Kraft für einen Dunking“, erinnerte sich Drijencic schmunzelnd an die letzte Szene des Basketball-Krimis, als der nächste Woche 36 Jahre alt werdende Rickey Paulding den Ball kurz nach Ertönen der Schlusssirene noch so kraftvoll in den Korb donnerte als habe es die packenden und intensiven 50 Minuten zuvor nicht gegeben.

Zur Wahrheit zählt allerdings auch, dass die Ulmer lange Zeit am Sieg in Oldenburg schnupperten, obwohl sie erst drei Tage vorher beim Eurocup-Heimsieg gegen Galatasaray Istanbul ebenfalls über die Distanz von zwei Verlängerungen gehen mussten. Die Baskets sollten sich also auch heute nicht allein auf mögliche konditionelle Vorteile verlassen, wenngleich die Ludwigsburger nach vier Pflichtspielniederlagen in Folge nicht nur körperlich angeschlagen sind.

Die Woche vor dem Spiel beim Playoff-Halbfinalisten der Vorsaison nutzte Drijencic, um sein Team auf die unangenehme Spielweise der von John Patrick trainierten Riesen einzustellen. „Wir haben in Trainingsspielen versucht, die aggressive Defensive der Ludwigsburger zu simulieren und Lösungen dagegen gesucht“, sagte Drijencic. Ob sie welche gefunden haben, wird sich zeigen.

Christopher Deeken
Redakteur
Sportredaktion

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