Oldenburg Der Schock saß bei den EWE Baskets tief, als sich Nathan Boothe Anfang Dezember des vergangen Jahres beim Heimsieg gegen Brose Bamberg einen Bruch des Schienbeinkopfes zugezogen hatte. Drei Monate fehlte der Power Forward dem Basketball-Bundesligisten aus Oldenburg und verpasste in dieser Zeit unter anderem das Pokalfinale gegen Alba Berlin. Nun ist der „große weiße Büffel“, wie der 26-Jährige von seinen Mannschaftskollegen liebevoll genannt wird, zurück und traut seinem Team beim bevorstehenden Zehnerturnier der BBL vom 6. bis 28. Juni in München einiges zu.

Boothes erste Verletzung

„Es war das erstes Mal, dass ich mich verletzt habe und es war auch das erste Mal, dass ich keinen Basketball spielen konnte“, sagt Boothe, der die Zeit auf dem Parkett schmerzlich vermisst hatte: „Der schwierigste Teil der Reha waren die acht Wochen auf Krücken, wo ich nichts anderes tun konnte, als herumzusitzen. Auch die Spiele online zu sehen war hart. Ich saß da und schaute mir die Spiele an, in denen ich eigentlich hätte spielen sollen.“

Dementsprechend erwartungsfroh blickte der US-Amerikaner auf Mitte März, um endlich seine Basketball-Schuhe schnüren zu können – doch das Coronavirus machte der lang ersehnten Rückkehr einen Strich durch die Rechnung. Am 12. März stellte die Bundesliga ihren Spielbetrieb vorerst ein.

Weg nach München

Die Trainingsphase ist für die Baskets wie eine Mini-Saisonvorbereitung, nur gedrängter und somit intensiver und verlangt nicht nur aufgrund der Hygiene-Vorschriften ein hohes Maß an Disziplin von allen Beteiligten. Für den Trainerstab geht es angesichts des Zeitdrucks darum, sehr schnell zu erkennen, wo die Hebel angesetzt werden müssen. In den ersten Tagen wurden im Kraftraum wieder die Grundlagen gelegt. In dieser Woche liegt der Schwerpunkt auf der Athletik. Je näher das Turnier rückt, umso mehr werden spieltaktische Elemente das Training prägen.

Grundsätzlich wird an den meisten Tagen zweimal trainiert. Zweimal pro Woche werden die Spieler auf das Coronavirus getestet. Die medizinische Abteilung erhält täglich einen Bericht über den gesundheitlichen Zustand der Spieler. Die Ankunft in München ist für den 6. Juni geplant.

Nun startet die BBL mit ihrem Finalturnier, das am ersten Juni-Wochenende beginnen soll, einen Neuanfang. Neben Ausrichter und Titelverteidiger FC Bayern und Oldenburg nehmen noch Rasta Vechta, die Riesen Ludwigsburg, die Merlins Crailsheim, Alba Berlin, Brose Bamberg, BG Göttingen, RP Ulm und die Frankfurt Skyliners teil.

Baskets mit Chancen auf Turniersieg

Einer Vorrunde mit zwei Fünfer-Gruppen, die im Modus jeder gegen jeden gespielt wird, schließen sich Playoffs mit Viertel- und Halbfinale sowie dem Finale an. In die K.o.-Runde, die über Kreuz und jeweils mit Hin- und Rückspielen ausgetragen wird, ziehen acht Teams ein.

Durch diesen komprimierten Modus, bei dem der deutsche Meister innerhalb von drei Wochen ermittelt wird, sieht Boothe aber auch eine Chance für Oldenburg. „Jedes Team hat die Möglichkeit auf den Titel, weil es keine Serie ist“, sagt Boothe. Normalerweise trägt die Basketball-Bundesliga die einzelnen Serien in den Playoffs im Modus Best-of-Five (drei Siege sind für das Weiterkommen nötig) aus – nun entscheidet sich dies in nur zwei Spielen. „Ich denke, die Chancen stehen gut, dass wir weit kommen. Aber unter diesen Umständen weiß man es nie. Und in einem einzigen Turnier können viele unerwartete Dinge passieren. Also werden wir von Tag zu Tag denken und versuchen, unser Bestes zu geben“, ist sich der 26-Jährige der besonderen Situation bewusst.

Nicht nur Boothe freut sich nun auf sein Comeback in München, auch sein Trainer Mladen Drijencic hat diesen Moment sicherlich herbeigesehnt. Schließlich zählt der abschlussstarke Power Forward zu einer wichtigen Säule im Baskets-Kader – nicht nur, weil der US-Amerikaner mit 2,06 Metern einer der großen Spieler ist. Boothe hatte sich in der laufenden Saison auch als treffsicher erwiesen und 13,6 Punkte im Schnitt erzielt. Damit war er bis zu seiner Verletzung der zweitbeste Scorer hinter Kapitän Rickey Paulding. Dazu holte Boothe im Schnitt vier Rebounds.

Der Mann aus Illinois fühlt sich jedenfalls bereit für das Turnier: „Jetzt nach der Reha und nach den ersten paar Übungen fühlt es sich gut an. Es tut nur noch ein bisschen weh, aber das war zu erwarten.“

Niklas Benter Redakteur / Sportredaktion
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