Frage: Sie haben in dieser Woche angekündigt, im Sommer als Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga BBL aufzuhören. Warum tun Sie das und was haben Sie vor?

Jan Pommer (44): Ich möchte mich nach rund zehn Jahren einer neuen Herausforderung stellen. Was das sein wird, werde ich – da bitte ich um Verständnis – erst später sagen.

Frage: Sie hatten erst vor einem Jahr Ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Können Sie verstehen, dass einige Clubmanager enttäuscht von Ihrer Entscheidung sind?

Pommer: Davon ist mir nichts bekannt, ich hoffe aber insoweit auf Respekt für meine Entscheidung. Ich finde allerdings, dass Clubs und Liga gut positioniert sind.

Frage: Einer Ihrer letzten Termine wird das Pokalturnier am 11. und 12. April in Oldenburg sein. Was für eine Veranstaltung erwarten Sie?

Pommer: Ich erwarte eine tolle Veranstaltung mit einer begeisternden Atmosphäre und einer unglaubliche Dichte mit den vier Spielen an zwei Tagen. Es ist einzigartig, dass vier verschiedene Fanlager in so kurzer Zeit so eng zusammenkommen.

Frage: Ist der Termin glücklich gewählt? Schließlich beginnen vier Wochen später die Playoffs, in denen es um die Meisterschaft geht. Da will sich niemand vorher im Pokal verletzen. . .

Pommer: Natürlich diskutieren wir immer wieder die Terminfrage. Ich halte es aber für nicht richtig, die Pokal-Entscheidung erst nach Ende der Meisterschaft auszurichten, da das Interesse dann sicher geringer wäre. In anderen Sportarten, beispielsweise dem Fußball, mag das anders sein. Ich finde, der Termin ist zwischen dem Allstar-Wochenende im Januar und der Playoff-Entscheidung im Juni sehr treffsicher gewählt.

Frage: In Oldenburg werden Sie mit den Managern der Clubs außer über Ihre Nachfolge auch wieder über das Ziel sprechen, die Bundesliga bis 2020 zur stärksten Liga in Europa zu machen. Wer ist denn im Moment noch vor Ihnen?

Pommer: Ich denke, die spanische Liga ist derzeit noch allen anderen ein gutes Stück voraus. Italien und die Türkei sehe ich noch leicht vor uns. Mit Frankreich befinden wir uns derzeit auf einer Höhe.

Frage: Was muss denn noch besser werden?

Pommer: Wir betrachten dabei mehrere Faktoren. Zum einen geht es darum, wie die Teams wirtschaftlich dastehen, mit welchen Etats gearbeitet wird. Zum anderen geht es natürlich um das sportliche Abschneiden in den Europapokal-Wettbewerben. Und auch die Reichweite spielt eine Rolle. Dabei geht es um die Präsenz des Basketballs in den Medien, vor allem im Fernsehen.

Frage: Sie sprechen wirtschaftliche Faktoren an. Wie sehr werfen die finanziellen Probleme von TBB Trier, verbunden mit einem Insolvenzantrag, die BBL auf ihrem angestrebten Weg zurück?

Pommer: Dieser Fall ist natürlich betrüblich, für mich zum Teil auch unverständlich. Wir haben ein hervorragendes Lizenzierungsverfahren, um das uns die anderen europäischen Ligen beneiden. Im Fall von TBB Trier ist uns aber mit falschen Angaben Sand in die Augen gestreut worden.

Frage: Wie lässt sich so etwas verhindern?

Jan Pommer (hier 2015 beim Neujahrsempfang der EWE Baskets) ist seit 2005 BBL-Geschäftsführer. BILD: Tobias Frick
Jan Pommer (hier 2015 beim Neujahrsempfang der EWE Baskets) ist seit 2005 BBL-Geschäftsführer. BILD: Tobias Frick

Basketball-Bundesliga auf Expansionskurs

Der aus Oldenburg stammende Jan Pommer (44) ist Jurist und seit 2005 Geschäftsführer der BBL. In dieser Zeit hat er die Professionalisierung der Liga vorangetrieben. Seit 2009 hat die BBL den Hausgeräte-Hersteller Beko als Namenssponsor, seit 2014 zeigt die Telekom im Internet alle Ligaspiele live. Der Expansionskurs findet aber nicht uneingeschränkt Zustimmung. Besonders in kleineren Bundesliga-Standorten wie Quakenbrück gibt es Befürchtungen, von der Entwicklung abgehängt zu werden. Pommer hat in dieser Woche überraschend angekündigt, trotz eines noch bis 2018 laufenden Vertrages bereits Ende Juli als BBL-Geschäftsführer aufhören zu wollen. Wer sein Nachfolger wird, ist noch völlig offen.

Pommer: Bislang werden die Unterlagen bei uns eingereicht und dann in bestimmten Intervallen intensiv geprüft. Eine Möglichkeit wäre, sich regelmäßig vor Ort die Verhältnisse anzuschauen und zu überprüfen. Das wäre aber ein starker Eingriff in die Autonomie der Teams. Wir wollen einen solchen Schritt eigentlich nicht gehen.

Frage: Zu den Voraussetzungen für eine Bundesliga-Lizenz zählt eine Halle mit mindestens 3000 Plätzen. Viele Teams haben inzwischen größere Spielstätten, andere haben noch genau die Kapazität von 3000. Werden Sie – mit Blick auf die angestrebte Rolle der Liga – in absehbarer Zeit an dieser Zahl etwas verändern?

Pommer: Nein, das ist nicht geplant. Es gibt Städte, die sich Hallen mit eben jenen 3000 Plätzen gebaut haben, um mit dem Heimteam in der Bundesliga spielen zu können. Die dürfen wir nicht vor den Kopf stoßen und plötzlich überfordern. Ich vermute eher, dass sich das auf natürliche Weise ändern wird. Irgendwann wird man merken, dass eine Halle mit 3000 Plätzen nicht ausreicht, um in der Bundesliga mitspielen zu können. Wir wollen das aber nicht vorgeben.

Frage: In den nordamerikanischen Profiligen sowie in der Deutschen Eishockey Liga gibt es keinen Auf- und Abstieg. Ist das ein Modell für die BBL?

Pommer: Nein. Wir brauchen die regelmäßige Blutauffrischung durch Aufsteiger aus der 2. Liga, so etwas tut der Bundesliga gut. Dabei müssen wir darauf achten, dass diese Aufsteiger erstliga-tauglich sind. Zum anderen dürfen wir es den Zweitligisten aber auch nicht zu schwer machen.

Frage: Zum Abschluss die Frage an den gebürtigen Oldenburger: Zu wem halten Sie beim Pokalturnier?

Pommer: (lacht) Die privaten Vorlieben habe ich mir als BBL-Geschäftsführer abtrainiert.

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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